Am 21. Juni 1940, einen Tag vor Abschluss des Waffenstillstandes mit Frankreich, erlebte Paderborn seinen ersten Luftangriff: Vier britische Maschinen griffen den Flugplatz an und verursachten Schäden an den Flugplatzanlagen, in der Siedlung Schöne Aussicht und ander Panzerkaserne. Auch Menschenverluste traten ein, doch sind die Angaben widersprüchlich. Die Quellen sprechen von einem bzw. drei toten Soldaten.

 

Da Paderborn weder eine Großstadt noch ein Industriezentrum war, galt es als minder gefährdet und war als Luftschutzort II. Ordnung klassifiziert. Das war die mittlere von drei Gefährdungsklassen. Das ländliche Umfeld der Stadt war in die Klasse III eingestuft. Aufgrund des als relativ gering eingeschätzten Risikos gab es nicht genügend wirksame Schutzbauten.

Die Feuerwache auf dem Liboriberg vor dem Krieg

Bis Kriegsende entstanden nur drei Bunker, die wirklichen Schutz bieten konnten: der noch heute vorhandene Hochbunker der Bauart Winkel (Winkelturm) auf dem Gelände des Eisenbahnausbesserungswerkes Nord, der vor Jahren beseitigte kleine Luftschutzbunker an der Ecke Abtsbrede / Borchener Straße und der ebenfalls nicht mehr vorhandenen Befehlsbunker auf der Wilhelmshöhe. Die Masse der Bevölkerung war auf Splitterschutzgräben und notdürftig verstärkte Kellerräume angewiesen und somit nur sehr unzureichend geschützt.

Dem Angriff vom 21. Juni 1940 folgte bis Mitte Oktober eine Reihe weiterer kleinerer britischer Angriffe, die sich insbesondere gegen den Flugplatz richteten. Die jeweils nur wenigen Maschinen richteten aber auch Schäden an zivilen Gebäuden an. Das Folgejahr 1941 brachte lediglich vier Angriffe mit überschaubaren Sachschäden.

In Paderborn blieb es jedoch zunächst weiterhin relativ ruhig. Das Jahr 1942 brachte lediglich einen einzigen Angriff auf die Stadt, der jedoch erhebliche Sachschäden hervorrief. Ein einzelnes Flugzeug zerstörte bzw. beschädigte am Abend des 27. August über 50 Häuser; ca. 100 Familien wurden obdachlos.

1943 ereigneten sich, wie schon 1941, vier Angriffe, darunter ein besonders schwerer mit hohen Menschenverlusten. Am Abend des 16. März luden zwölf britische Mosquitos ihre Bomben auf den Bahnhof und das Ausbesserungswerk Hauptbahnhof ab. 47 Tote, darunter 15 russische Zwangsarbeiter, und zahlreiche Verletzte wurden aus den Trümmern geborgen. Die Eisenbahnanlagen wiesen schwerste Schäden auf.

Seit 1944 nahmen die Amerikaner auch Paderborn ins Visier. Die Gefährdung der Stadt erhöhte sich deutlich, die Angriffe wurden häufiger.

1942, Auch Frauen waren in der Feuerwehr aktiv, da die Feuerwehrkameraden ab 1940 zahlreich zum Dienst in der Wehrmacht eingezogen wurden.

Der schwerste Angriff des Jahres 1944 ereignete sich am Vormittag des 19. April, als ein amerikanischer Großverband, die Angaben schwanken zwischen 100 und 200 Maschinen, den mittlerweile als Fliegerhorst deutscher Jäger fungierenden Flugplatz bombardierte, aber auch erhebliche Schäden in der östlichen Innenstadt anrichtete. 40 Tote waren zu beklagen.

HJ Feuerwehr in der Bleichstraße, Sie fungierten als Reserveeinheiten der Feuerwehr Paderborn

Bis zum Beginn des Jahres 1945 hatten alle Luftangriffe auf Paderborn militärischen Einrichtungen und den Eisenbahnanlagen gegolten. Infolge von Zielungenauigkeiten bzw. Fehlabwürfen waren dabei immer wieder in erheblichem Umfang auch Wohngebiete in Mitleidenschaft gezogen worden waren.

Dennoch war die Stadt als solche kein Ziel der alliierten Bomberverbände gewesen. Das änderte sich mit dem 17. Januar 1945. Am Mittag jenes Tages luden ca. 400 US-Maschinen ihre Bombenlast über Paderborn ab und richteten vor allem in der Altstadt, im Südviertel, im Umfeld des Bahnhofs und an der Driburger Straße schwerste Schäden an. Ca. 240 Menschen fanden den Tod.

Feuerwehrkameraden im Luftschutzbunker

Am 23. Februar und am 10. März, beide Male wiederum zur Mittagszeit, folgten weitere Angriffe amerikanischer Großverbände. In besonderem Maße betroffen waren der Norden vom Maspern- bis zum Schützenplatz, das Bahnhofsumfeld, das Ükernviertel und erneut die Südstadt. Beide Angriffe zusammen forderten etwa 75 Todesopfer. Am 22.März gegen 21.00 Uhr flogen acht britische Maschinen einen Minenangriff gegen die Innenstadt, dem etwa 40 Menschen zum Opfer fielen. Der Dom und zahlreiche andere Gebäude in der näheren Umgebung wurden schwer getroffen.


Einsatzübung vor dem Krieg

Der letzte und schwerste Angriff erfolgte am 27. März von 17.27 bis 17.55 Uhr durch 270 britische Lancaster Bomberverbände Die Schäden waren so gewaltig, dass ihr Ausmaß im Gegensatz zu allen vorangegangenen Angriffen nur noch geschätzt werden konnte. "2.000 Gebäude total zerstört, 500 schwer beschädigt, 700 mittel schwer beschädigt, 400 leicht beschädigt. 1.500 Großbrände, 1.000 mittlere Brände, 500 Kleinbrände, Flächenbrand über dem gesamten Stadtkern" heißt es in den überlieferten Aufzeichnungen der Paderborner Luftschutzleitung.

Die Feuerwache auf dem Liboriberg nach dem verheerenden Luftangriff

Etwa 350 Todesopfer forderte dieser Angriff. Dass ihre Zahl nicht um ein Vielfaches höher war, war dem Umstand zu verdanken, dass die Bevölkerung nach den vorangegangenen Angriffen die Stadt seit dem 17. Januar zum größten Teil verlassen hatte und zu Freunden und Verwandten in das ländliche Umland ausgewichen war. Welchen Zweck dieser verheerende Angriff verfolgte, ist bisher nicht abschließend geklärt. Möglicherweise sollten damit die - über Paderborn führenden - letzten Verkehrs- und Nachschublinien der deutschen Heeresgruppe B zerschlagen werden, deren Einkesselung im Ruhrgebiet unmittelbar vor dem Abschluss stand.


Marienplatz von der Westernstraße aus.

Ein Augenzeugenbericht: Die Brandbomben hatten einen wahren Feuersturm entfacht. Am Neuhäuser Tor brannten selbst die Bäume.Wohin man sah, Flammen, Rauch, Zerstörung. Paderborn war ein einziges Flammenmeeer.

Als wenige Tage später, am 1. April, Ostersonntag, amerikanische Kampfverbände in die noch rauchende Trümmerwüste einrückten mußten auch die Amerikaner noch Brände löschen da die wenigen verbliebenen Feuerwehrkräfte dieses Infernos nicht mehr Herr werden konnten. Paderborn war zu 85% zerstört und damit eine der am stärksten zerstörten Städte Deutschlands.

Etwa 900 Menschen, Bürgerinnen und Bürger, deutsche Soldaten, Kriegsgefangene sowie ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter haben zwischen 1940 und 1945 bei den Luftangriffen auf Paderborn ihr Leben verloren.

 

Angesichts dieser Zerstörungen ist es heute kaum vorstellbar vor welche Aufgaben die Feuerwehrkameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Paderborn in den Kriegsjahren gestellt waren.

 

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Fotos: Stadtarchiv Paderborn /Feuerwehr Paderborn/ priv.mb/ Bericht : Stadt Paderborn , mb