10.August 2007

Schweres Unwetter trifft Delbrücker Land

 

Delbrück:(mb)

Ein schweres Unwetter hat das Delbrücker Land am Abend des 9.August getroffen. Weite Teile der Delbrücker Innenstadt standen unter Hochwasser. Keller und Geschäftsräume wurden überflutet. Der Kirchplatz in Delbrück glich einer Seenplatte. Sturzbäche rissen Pflastersteine mit. Gullydeckel flogen in die Luft. Aus den Schächten quoll das Wasser in Fontänen. Im Einsatz neben der Gesamtwehr Delbrück, Feuerwehren aus dem gesamten Kreisgebiet Paderborn, der Stadt Paderborn und Feuerwehren aus dem Kreis Gütersloh, sowie Einheiten des THW und DRK. Die Zahl der vollgelaufenen Keller und umgestürtzten Bäume ist noch nicht abzuschätzen. Bei Tagesanbruch konnte erst das ganze Ausmaß der Schäden erkannt werden. In Nordhagen wurde ein Geflügelhof komplett überflutet. In letzter Sekunde gelang es einen Großteil der Tiere zu retten. Auch hier sind die Schäden noch nicht abzusehen. In mehreren Ortsteilen wurden große Landwirtschaftliche Flächen überflutet. Sportplätze, Straßen, Gärten standen in Delbrück,Ostenland, Lippling und Sudhagen unter Wasser. Der Haustenbach in Sudhagen und der Grubebach traten über ihre Ufer und verursachten hohe Sachschäden. Feuerwehr und THW werden vorraussichtlich noch bis Samstag ununterbrochen im Einsatz sein.

Nicht genug der Einsätze am Donnerstag mußten am Freitag den 10. August des Abends aufgrund eines weiteren Unwetters mit Starkregen, die Löschzüge der Gesamtwehr erneut ausrücken um Keller auszupumpen und Gefahrenstellen zu beseitigen. Auch am Samstag gab es noch weitere Einsatzstellen in Delbrück und Westenholz abzuarbeiten.

 

Berichte: Westfälisches Volksblatt

»Die Welt geht unter« im Delbrücker Land

Ungeheure Wassermengen ­ Helfer im Dauereinsatz

Von Jürgen Spies und Axel Langer


Delbrück/Hövelhof (WV). Wer es nicht hautnah miterlebt hat, kann es sich kaum vorstellen, welche Regenmassen am Donnerstagabend über dem Raum Delbrück/Hövelhof niedergingen. Wahre Wasserwände stürzten vom Himmel! Dazu Blitz und Donner, die lauten Martinshorn-Signale der Einsatzfahrzeuge, zuckende Blaulichter. »Hier geht die Welt unter...« dachten viele Menschen.
Binnen weniger Minuten standen Straßen unter Wasser, liefen Keller voll,drangen die Fluten in Erdgeschosse und somit auch in viele Geschäfte ein. Die Kanalisationen waren völlig überfordert.


Schnell glichen beispielsweise die Schloßstraße und der Bereich Raiffeisenstraße in Hövelhof sowie weite Teile der Delbrücker Innenstadt einer Seen- und Flusslandschaft.
Völlig überflutet wurde unter anderem die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes in Delbrück. Etwa 90 Prozent der hier für die Wiederverwendung gelagerten Kleidungsstücke wurden unbrauchbar gemacht.Das Wasser stieg stellenweise auch in den Nachtstunden. Beispiel: Eine Familie an der Friedrichstraße in Delbrück wurde davon überrascht. In den Abendstunden hatten sich die Bewohner noch trockenen Fußes in die Betten gelegt ­ als sie morgens das erste Bein aus dem Bett taten, standen sie knöcheltief im Nass...
Unglaubliche Regenmengen schossen vom Postberg und der Lipplinger Straße herunter zum Alten Markt ­ »Land unter!«. In diesem Bereich blieb kein
Gebäude verschont. Wasser drang auch in die Delbrücker Filiale der Volksbank Paderborn ein, überschwemmte die Geschäftsräume und lief auch in denTresorraum.
In Nordhagen unterschätzte ein Pkw-Fahrer die Tiefe der gestauten Wassermassen. Sein Auto »soff ab«; der Mann kletterte durch das Seitenfenster aus dem Wagen.
Am frühen Freitagnachmittag trat der Haustenbach vor allem im Bereich Sudhagen über die Ufer. Zahlreiche Helfer rückten an und versuchten, mit Sandsäcken die Häuser im »Krisengebiet« vor den Fluten zu schützen.
Der Hagener Sportplatz glich eher einem Freibad: Viele Kinder nutzten die Gelegenheit zum Toben im Wasser. An der Rieger Straße kam es zu Unterspülungen der Fahrbahn. Das Wasser riss große Teile der Teerdecke weg. Völlig überflutet wurde unter anderem der Montana-Westernstore. Die Polizei hatte die Rieger Straße sowie andere komplett hoch unter Wasser stehende Straßen schon am Donnerstagabend gesperrt.

Das DRK unterstützte die Feuerwehren sowie das THW. Wie Reinhard Scheipers vom DRK berichtete, waren nachts etwa 50 bis 70 DRK'ler aus dem ganzen Kreisgebiet in Delbrück eingesetzt, insgesamt waren es etwa 100 DRK-Kräfte. Das DRK stillte Hunger und Durst der Helferschar: Bei der Firma Wiechers wurden kurzerhand 1500 Würstchen abgeholt.
Offenbar gab es im Bereich Neukirchs Schleuse zur schlimmsten Phase des Gewitters eine örtlich sehr begrenzte Windhose. Indiz dafür: etwa 25 üppige Pappeln und ungefähr 25 Birken wurden entwurzelt und kippten um.
In Hövelhof (mehr als 130 Einsatzstellen am Donnerstag) sah die Gesamtsituation kaum anders aus. Auch in der Sennegemeinde verwandelten sich Bäche in Flüsse, beispielsweise der Krollbach. Weite Teile der umliegenden Felder wurden zu Teichen. Betroffen waren auch Gewerbebetriebe. Löschzüge aus Kaunitz und Stukenbrock, mehrere Landwirte sowie zwei Tiefbauunternehmen mit Spezialfahrzeugen unterstützten die Hövelhofer Wehr unter Einsatzleitung von Peter Kesselmeier.

 


 

In »Sintflut« sterben 8000 Junghennen

Innenstädte unter Wasser ­ Häuser überflutet

Von Jürgen Spies, Karl Pickhardt und Axel Langer
 
Delbrück/Kreis Paderborn  (WV). 8000 Junghennen ertrinken, Häuser sind von Wassermassen eingeschlossen und überall kämpfen Menschen verzweifelt gegen die Flut. Wolkenbruchartige Regenfälle haben allein in Delbrück nach Einschätzung von Wehrführer Reinhard Brand (47) 25 bis 30 Millionen Euro Schaden angerichtet.
Wie eine Sintflut ergießen sich in der Nacht zum Freitag Wassermassen über das Paderborner Land. Besonders betroffen sind Delbrück und Hövelhof. Solche gewaltigen Regenschauer haben auch ältere Menschen seit mindestens 40 Jahren nicht mehr erlebt. 117 Liter Wasser pro Quadratmeter werden in Delbrück innerhalb von 24 Stunden laut dem Wetterdienst Meteomedia gemessen. Die Lange Straße in Delbrück wird zum Sturzbach, Gullideckel schießen am Kirchplatz einen halben Meter in die Höhe.

Der Obi-Baumarkt wird überflutet. In Nordhagen kommen in der Geflügelzuchtanlage Franzsander 8000 Junghennen ums Leben. Auf einer anderen Hühnerfarm bringen 50 Feuerwehrmänner in Delbrück 1500 Hühner in Sicherheit. Das überlastete Telefonnetz bricht zweitweilig im Festnetz und Mobilfunk zusammen. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) retten ältere Menschen aus Kellerwohnungen und springen im Caritas-Altenheim ein.
Am Freitagmorgen wird das Ausmaß der Schäden bei Tageslicht erst deutlich:
Besonders in Nordhagen, Lippling, Schöning oder Ostenland heißt es Land unter. Schlimm sieht es für Häuser am Birkenkamp in Delbrück aus: Einige
Häuser sind von Wasser umflutet und können nur per Boot erreicht werden. Der kleine Grubebach hat weite Teile überschwemmt. Auch beim
Polstermöbelhersteller Gepade dringt Wasser ein. Feuerwehr und THW reißen am Birkenkamp den Weg auf, um den Druck der Wassermassen zu entlasten. Die Flut hatte sich vor einer Brücke gefährlich aufgestaut.
In Hövelhof ruft die Firma Geha nachts ihre Leute zum Einsatz, um Firmengebäude von Wasser zu befreien. Der Kernort Hövelhof steht bis zu 40
Zentimeter unter Wasser. Wie in Delbrück werden auch in Hövelhof Straßen gesperrt. Landwirt Dieter Hils kann selbst mit seinem Traktor in Espeln
nicht mehr vom Hof: Der Landwirt fährt im Boot.
Im Paderborner Land laufen etwa 1000 Keller voll. Betroffen sind auch Paderborn, Bad Lippspringe und Altenbeken. Wasser dringt in die evangelische
Paul-Gerhardt-Gemeinde in Sennelager ein. »Durch Rückstau und von außen eindringendes Regenwasser sind die Kinder- und Jugendräume im Untergeschoss unseres Gemeindezentrums überflutet worden«, berichtet Pfarrer Ulrich Grenz.
Das Altenheim Haus Heilandsfrieden in Schloß Neuhaus wird von der Feuerwehr mit Sandsäcken vor dem Hochwasser aus dem Mömmenbach geschützt. Mit zehn Pumpen kann die komplette Flutung des Heizölkellers und ein Umkippen der Tanks verhindert werden.
Beim BIB am Fürstenberg verhindert die Wehr mit Pumpen ein Eindringen des Wassers in die Klimazentrale. Die Regenflut hatte sich auf dem Parkplatz
gestaut, weil die Pader voll war.
In Altenbeken meldet die Feuerwehr 31 Einsätze. Dort wird der Kuhlhornbach zum Schutz eines Vierfamilienhauses mit Sandsäcken in sein Bett gelenkt.
Feuerwehren und THW fahren pausenlos Einsätze. Bei Polizei und der Kreisleitstelle in Büren-Ahden laufen im Sekundentakt Hilferufe ein. »Ich
fühle mich wie auf den Halligen«, fleht eine Anruferin um Hilfe.
Am Freitagabend setzten neuerliche heftige Regenschauer ein, die schon wieder für zahlreiche Notrufe und Feuerwehreinsätze sorgten.(Lokalseite 2)

Im Einsatz bis zur Erschöpfung

Delbrück/Hövelhof (WV). Bis zur Erschöpfung waren beim Unwetter in Delbrück und Hövelhof 500 Feuerwehrkräfte aus dem gesamten Paderborner Land uhd Rietberg im Einsatz. 150 THW-Kräfte aus Büren, Paderborn, Delbrück, Gütersloh und Detmold unterstützten die Arbeit. Das Deutsche Rote Kreuz war in Delbrück mit etwa 55 Helfern im Einsatz. Nachts um 3 Uhr wurden die Einsatzkräfte ausgetauscht. In Bentfeld im Kieswerk Ridder wurden viele hundert Sandsäcke gefüllt.

Fotos: Westfälisches Volksblatt


 


 

 

11. August Berichte Kreis Paderborn

 

Am Freitagabend, 10. August, mussten die Löschzüge der Gesamtwehr erneut ausrücken, um Keller auszupumpen und Gefahrenstellen zu beseitigen.

 

Kreis Paderborn (krpb). Nur wenige Stunden nach den sintflutartigen Regenfällen in der Nacht hieß es am Freitagabend schon wieder Warnstufe Rot für den Kreis Paderborn: Gegen 17:30 Uhr zogen heftige Unwetter mit schweren Regenfällen aus NNO (Bielefeld) kommend in Richtung SSW, also über Büren in Richtung Hochsauerlandkreis. Betroffen waren die Städte Delbrück, Salzkotten und Büren. Wieder liefen die Keller voll. Gullideckel hielten dem Druck nicht stand und lösten sich. Zahlreiche Straßen wurden überflutet.

 

Bis in die Nacht hinein hatten rund 200 Einsatzkräfte der Feuerwehren Delbrück und Büren alle Hände voll zu tun: Bis 21:00 Uhr mussten allein in Delbrück rund 45 Einsätze geleistet werden. Weitere 10 Einsätze wurden in der Stadt Salzkotten registriert, hier war die Ortschaft Upsprunge besonders betroffen. 15 Mal rückten die Feuerwehren in den Ortschaften Ahden, Brenken und Hegensdorf aus. In Hegensdorf mussten Kühe vor dem Ertrinken gerettet werden. Die Einsatzkräfte pumpten den Stall aus und errichteten mit Sandsäcken einen Damm. Mit dabei waren hier auch Einheiten des Technischen Hilfswerkes. In Weine drohte im Laufe der Nacht die Alme über die Ufer zu treten. Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Büren errichteten einen Damm aus Sandsäcken.

 

Im Augenblick ist die Lage entspannt und Aufräumen angesagt. Doch können Natur, Menschen und Helfer eines nicht mehr gebrauchen: Weiteren Regen. Denn das Erdreich und die Flüsse sind voll und können nichts mehr aufnehmen.

 

 

Hochwasserlage hat sich entspannt - Dank an Einsatzkräfte

 

 

 

Das Foto zeigt den Kampf der Helfer gegen die Wassermassen an den gefährdeten Häusern am Brinkenkamp: Landrat Manfred Müller, Delbrücks Bürgermeister Robert Oelsmeier und Stadtbrandmeister Reinhard Brand diskutieren die Lage

 

Kreis Paderborn (krpb).

 

Die Einsatzkräfte haben die Lage im Griff. Die letzten Keller in Delbrück werden in diesen Minuten leer gepumpt, 200 Helfer sind noch vor Ort. Die Hochwassersituation in Delbrück hat sich insgesamt deutlich entspannt, bis auf die Otto-Hahn-Straße in Sennelager sind sämtliche Straßen wieder befahrbar.

 

Landrat Manfred Müller und Delbrücks Bürgermeister Robert Oelsmeier machten sich am Morgen selbst ein Bild von dem, was da in der Nacht über Delbrück hereingebrochen war. „In drei Wellen kam das Wasser“, erzählt Reinhard Brand, Leiter der Delbrücker Feuerwehr. „Um uns herum zuckten die Blitze und strömte nur so das Wasser“. Später sollten er und die Einsatzkräfte dann erfahren, dass in der Nacht 115 l / m² auf die Stadt niedergeprasselt waren.

 

Überhaupt war es die Nacht der Einsatzkräfte. Über 1000 Einsätze mussten innerhalb weniger Stunden bewältigt werden. Am Morgen ging es dann weiter, weil die Menschen erwachten und erst dann den Wassereinbruch bemerkten. Auch wurde erst bei Tageslicht das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar.

 

In der Nacht hatte die Delbrücker Innenstadt unter Wasser gestanden, etliche Keller und Geschäftsräume waren voll gelaufen. Die Sachschäden werden Gutachter beziffern müssen. Auf einer Hühnerfarm halfen 50 Feuerwehrleute, rund 1500 Hühner auf ein Nachbargehöft zu bringen. 50 Tiere ertranken im Wasser. In zwei Häusern drohten sich zwei Heizöltanks zu lösen, doch die Halterungen hielten, nichts lief aus. Betroffen war auch das Delbrücker Rathaus. Am gestrigen Abend schüppten Mitarbeiter der Stadtverwaltung das Wasser aus dem Keller, die EDV-Anlage konnte gerettet werden.

 

Zwischendurch war in der Nacht das Telefonnetz zusammengebrochen, weil die Menschen unentwegt die „112“ wählten. Aufgrund der Vielzahl der gestrigen Anrufe, konnte die Feuerwehr nicht alle Notrufe abarbeiten. Gespräche wurden daher auf die 110 der Polizei umgeleitet. Allein dort wurden 500 Notrufe registriert. Die Polizei selbst hatte 25 Einsätze aufgrund von Straßensperrungen und Verkehrsumleitungen zu bewältigen.

 

Viele Feuerwehrmänner halfen mit dem Wissen, dass der eigene Keller zu Hause unter Wasser stand. Doch niemand verließ seinen Platz. „Sämtliche Einsatzkräfte haben Hand in Hand gearbeitet, alle haben toll kooperiert und kräftig mit ins Rad gepackt“, waren sich Brand und der Chef der Paderborner Feuerwehr und stellvertretender Kreisbrandmeister, Ralf Schmitz, bei der Abschlussbesprechung in Delbrück am frühen Mittag einig. Noch in der Nacht war auf dem Gelände der Zentralwache Delbrück eine mobile Einsatzzentrale aufgebaut worden, um die zahlreichen Einsätze vor Ort koordinieren zu können, die dann am Morgen weiterliefen.

 

 

Bei der Abschlussbesprechung nahmen auch Landrat Manfred Müller und Delbrücks Bürgermeister Robert Oelsmeier teil. Beide lobten das große Engagement der Helfer und dankten für ihren vorbildlichen Einsatz. Sie betonten, dass die professionelle Hilfe sogar über die Kreisgrenzen hinaus funktionierte habe. Insgesamt 500 Kräfte aus den 10 Feuerwehren der Städte und Gemeinden des Kreises, die Kreisleitstelle in Büren-Ahden, die Feuerwehren Rietberg und Stukenbrock sowie das THW mit den Ortsverbänden Paderborn, Büren, Rietberg und Delbrück kämpften gemeinsam gegen die Wassermassen. Das Deutsche Rote Kreuz versorgte die Helfer mit Essen und Getränken. Allein 300 Handtücher wurden an die nassen Einsatzkräfte verteilt.

 

An insgesamt 26 Stellen arbeiten derzeit noch Kräfte der Feuerwehr und des THW. „Die laufen noch durch das Wasser, die können wir da gar nicht abziehen, die wollen gewinnen“, fasst es Brand zusammen.

 

Betroffen sind vor allem noch zwei Häuser am Brinkenkamp in Nordhagen. Dort haben die Gewitterfluten den kleinen Grubebach in einen reißenden Fluss verwandelt, dessen Wassermassen jetzt immer wieder nachdrücken. Für die Einsatzkräfte hat ein Wettlauf mit der Zeit begonnen. Das THW Detmold und die Feuerwehren haben A/Druckschläuche ausgelegt und pumpen unaufhörlich das Wasser ab. Zusätzlich wurden rund 150 Sandsäcke gebraucht, um ein Eindringen des Wassers in die Wohnhäuser zu verhindern.

 

Für die meisten Bewohner beginnt in diesen Stunden erst einmal das große Aufräumen. Und dann schlägt hoffentlich die Stunde der Versicherungen. Verletzt wurde niemand. Die Sachschäden können noch nicht beziffert werden.

 


 

Westfälisches Volksblatt vom 13. August
Delbrück von Überflutungen gezeichnet / Aufräumen am Tag 1 nach den Wassermassen

Straßendurchstich bringt entscheidenden Durchbruch am Birkenkamp

Da konnten Feuerwehr-Abschnittsleiter Ralf Brunnert (li.) und THW-Zugführer Timo Mahr wieder lächeln: Endlich geschafft!! Kurz nach 16 Uhr konnten am Samstag die Pumpen am Birkenkamp in Nordhagen abgeschaltet werden. Das Wasser aus den Vorflutern lief selbstständig wieder in den Grubebach zurück, der sich nach und nach in sein eigentliches Bett zurückzog. Dank dem Einsatz der Helfer und einer Pumpleistung von mehreren zehntausend Litern pro Minute konnten hier die Wohnhäuser gehalten werden.

Delbrück (al). Die Uhr zeigt 16.15 Uhr und Abschnittsleiter Ralf Brunnert vom Löschzug Delbrück sowie THW-Zugführer Timo Mahr geben das Zeichen: .Pumpen aus.. Die Situation am Birkenkamp in Nordhagen hatte sich am Samstag Nachmittag soweit entspannt, dass nach rund 30 Stunden die Pumpen abgeschaltet werden konnten. .Der Pegel im Grubebach ist inzwischen soweit zurückgegangen, dass das Wasser selbstständig abfließt. Zur Zeit sinkt der Pegel mit zwei bis drei Zentimetern pro Stunden.. erklären der Abschnittsleiter Ralf Brunnert vom Löschzug Delbrück und Timo Mahr vom THW Detmold ihre Entscheidung den Anwohnern am Birkenkamp. Dramatisch hatte sich die Situation am Freitag Abend zugespitzt. Trotz der Pumpleistung von mehreren zehntausend Litern Wasser in der Minute konnten der Grubebach nicht entscheidend zurückgedrängt werden. Die Wassermassen drohten sich vor der Brücke über den Grubebach zu stauen. .Wir mussten schnell handeln, durch den Rückstau hätten sich Verwirbelungen gebildet und das Wasser wäre noch schneller gestiegen. Als es dann noch einen weiteren Starkregenschauer gab, mussten wir eine Entscheidung fällen.. so Timo Mahr. Unmittelbar neben der Brücke wurde die Straße Birkenkamp auf einer Breite von gut einem Meter aufgerissen. Das Wasser fand so einen zusätzlichen Durchlaß durch die Straße, die hier wie ein Deich wirkte. Durch die Entscheidung konnten die Häuser am Birkenkamp gehalten werden. .Die Rettungskräfte haben hier tolles geleistet. Angefangen vom pausenlosen Einsatz von THW und Feuerwehr bis hin zur Versorgung durch das DRK. Das lief völlig reibungslos und klappte prima.. dankte Maria Altmeier den fleißigen Helfern, während sie nicht mehr benötigte Sandsäcke zurück auf eine Palette stappelte. Für das DRK, das alleine über 100 ehrenamtliche Kräfte zusammengezogen hatte, war das Unwetter mit einer Einsatzdauer von über 30 Stunden der größte und längste, den es bislang zu bewältigen galt. Auch die Kameraden der Feuerwehren und des THW waren bis zur Erschöpfung im Einsatz.

Um die Hochwassersituatin in Nordhagen zu entspannen, rissen die Helfer eine große Lücke in die Straße .Birkenkamp.. Die auf einem Damm verlaufende Straße wirkte wie ein Deich, die Wassermassen konnten nicht zügig genug ablaufen. Der Duchstich ermöglichte es die umliegenden Häuser wirkungsvoll gegen das Hochwasser des Grubebach zu schützen

 Auch in der Delbrücker Innenstadt waren die Schäden unübersehbar. Unzählige Sandsäcke und mit aufgequollenem Mobiliar gefüllte Kontainer waren zusehen, während bei vereinzelten Häusern noch immer die Pumpen liefen. Einige Geschäfte blieben am Samstag wegen der Überflutungen geschlossen, darunter auch das Schuhhaus Hölscher. .Unser gesammtes Schuhlager befindet sich im Keller, hier stand das Wasser bis unter die Decke. Nach vorsichtigen Schätzungen dürfte der Schaden bei über 45.000 Euro liegen.. berichtet Walter Hölscher, Seniorchef des Familienbetriebes, während ein Schild mit der Aufschrift .Heute wegen Wasserschaden geschlossen. in die Eingangstür hängt. Wenige Häuser weiter beginnt für Eugen Kirsch ein langer Arbeitstag. Der Tischler eines Bad Driburger Trocknungsservice lädt bereits vor 8 Uhr in der Frühe Lüfter und Trocknungsgerät aus seinem Lieferwagen, um feuchte Keller zu entlüften.

Besorgte Mine bei THW-Helfer Uwe Pfeifer aus Gütersloh. In einzelnen Bereiche der Maisfelder am Birkenkamp reichte das Wasser bis an die Brust. Uwe Pfeiffer misst den Pegelstand.

 Hochkonjunktur haben in diesen Tagen Schmutzwasserpumpen, Gummiflitschen und Bautrockner. Im OBI-Baumarkt, der selber voll Wasser gelaufen war, kann Olaf Thienel, Fachberater in der Gartenabteilung schon lange nicht mehr in volle Regale greifen. .Wir haben inzwischen Ware umgruppiert. Aus den Märkten in Höxter und Bielefeld sind Pumpen, Schläuche, Muffen und Flitschen nachgeliefert worden. Neue Ware wurde umgehend bestellt.. so Olaf Thienel. Trotzdem hatte Olamf Thienel am frühen Samstag Nachmittag nur noch eine Schmutzwasserpumpe im Sortiment.

In der Delbrücker Innenstadt liefen viele Keller bis unter die Decke voll. Auch das Schuhhaus Hölscher blieb nicht verschont. Der gesamte Lagerbestand an Schuhen wurde ein Opfer des Wassers. Seniorchef Walter Hölscher öffnete die Türen zu seinem Geschäft am Samstag nur zum Lüften. Für Kunden blieb der Familienbetrieb geschlossen.

Zum Starkregen kamen in Ostenland und Sudhagen noch heftige Windböen hinzu. Entlang des Boker Kanals wurden rund 50 mächtige Birken und Pappeln mit Baumscheibe einfach umgerissen. Auch die Teerdecke des Wirtschaftsweges wurde erheblich beschädigt.

Schlimm getroffen hat es auch Sudhagen. Zum Hochwasser des Haustenbaches, der nur mit tausenden von Sandsäcken einigermaßen im Zaume gehalten werden konnte, richtete hier, wie im Bereich Horsthöfe in Ostenland, eine örtlich begrenzte Windhose große Schäden an. Im Bereich Neukirchsschleuse wurden schätzungsweise 50 mächtige Birken und Pappeln mit samt der Baumschauben einfach umgeweht. Karsten Kämper rückte mit Trecker und Motorsäge an, um den beliebten Rad- und Wanderweg entlang des Boker Kanals von den querliegenden Baumriesen zu befreien.