10.August 2007

Schweres Unwetter trifft Delbrücker Land

 

Delbrück:(mb)

Ein schweres Unwetter hat das Delbrücker Land am Abend des 9.August getroffen. Weite Teile der Delbrücker Innenstadt standen unter Hochwasser. Keller und Geschäftsräume wurden überflutet. Der Kirchplatz in Delbrück glich einer Seenplatte. Sturzbäche rissen Pflastersteine mit. Gullydeckel flogen in die Luft. Aus den Schächten quoll das Wasser in Fontänen. Im Einsatz neben der Gesamtwehr Delbrück, Feuerwehren aus dem gesamten Kreisgebiet Paderborn, der Stadt Paderborn und Feuerwehren aus dem Kreis Gütersloh, sowie Einheiten des THW und DRK. Die Zahl der vollgelaufenen Keller und umgestürtzten Bäume ist noch nicht abzuschätzen. Bei Tagesanbruch konnte erst das ganze Ausmaß der Schäden erkannt werden. In Nordhagen wurde ein Geflügelhof komplett überflutet. In letzter Sekunde gelang es einen Großteil der Tiere zu retten. Auch hier sind die Schäden noch nicht abzusehen. In mehreren Ortsteilen wurden große Landwirtschaftliche Flächen überflutet. Sportplätze, Straßen, Gärten standen in Delbrück,Ostenland, Lippling und Sudhagen unter Wasser. Der Haustenbach in Sudhagen und der Grubebach traten über ihre Ufer und verursachten hohe Sachschäden. Feuerwehr und THW werden vorraussichtlich noch bis Samstag ununterbrochen im Einsatz sein.

Nicht genug der Einsätze am Donnerstag mußten am Freitag den 10. August des Abends aufgrund eines weiteren Unwetters mit Starkregen, die Löschzüge der Gesamtwehr erneut ausrücken um Keller auszupumpen und Gefahrenstellen zu beseitigen. Auch am Samstag gab es noch weitere Einsatzstellen in Delbrück und Westenholz abzuarbeiten.

 

Berichte: Westfälisches Volksblatt

»Die Welt geht unter« im Delbrücker Land

Ungeheure Wassermengen ­ Helfer im Dauereinsatz

Von Jürgen Spies und Axel Langer


Delbrück/Hövelhof (WV). Wer es nicht hautnah miterlebt hat, kann es sich kaum vorstellen, welche Regenmassen am Donnerstagabend über dem Raum Delbrück/Hövelhof niedergingen. Wahre Wasserwände stürzten vom Himmel! Dazu Blitz und Donner, die lauten Martinshorn-Signale der Einsatzfahrzeuge, zuckende Blaulichter. »Hier geht die Welt unter...« dachten viele Menschen.
Binnen weniger Minuten standen Straßen unter Wasser, liefen Keller voll,drangen die Fluten in Erdgeschosse und somit auch in viele Geschäfte ein. Die Kanalisationen waren völlig überfordert.


Schnell glichen beispielsweise die Schloßstraße und der Bereich Raiffeisenstraße in Hövelhof sowie weite Teile der Delbrücker Innenstadt einer Seen- und Flusslandschaft.
Völlig überflutet wurde unter anderem die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes in Delbrück. Etwa 90 Prozent der hier für die Wiederverwendung gelagerten Kleidungsstücke wurden unbrauchbar gemacht.Das Wasser stieg stellenweise auch in den Nachtstunden. Beispiel: Eine Familie an der Friedrichstraße in Delbrück wurde davon überrascht. In den Abendstunden hatten sich die Bewohner noch trockenen Fußes in die Betten gelegt ­ als sie morgens das erste Bein aus dem Bett taten, standen sie knöcheltief im Nass...
Unglaubliche Regenmengen schossen vom Postberg und der Lipplinger Straße herunter zum Alten Markt ­ »Land unter!«. In diesem Bereich blieb kein
Gebäude verschont. Wasser drang auch in die Delbrücker Filiale der Volksbank Paderborn ein, überschwemmte die Geschäftsräume und lief auch in denTresorraum.
In Nordhagen unterschätzte ein Pkw-Fahrer die Tiefe der gestauten Wassermassen. Sein Auto »soff ab«; der Mann kletterte durch das Seitenfenster aus dem Wagen.
Am frühen Freitagnachmittag trat der Haustenbach vor allem im Bereich Sudhagen über die Ufer. Zahlreiche Helfer rückten an und versuchten, mit Sandsäcken die Häuser im »Krisengebiet« vor den Fluten zu schützen.
Der Hagener Sportplatz glich eher einem Freibad: Viele Kinder nutzten die Gelegenheit zum Toben im Wasser. An der Rieger Straße kam es zu Unterspülungen der Fahrbahn. Das Wasser riss große Teile der Teerdecke weg. Völlig überflutet wurde unter anderem der Montana-Westernstore. Die Polizei hatte die Rieger Straße sowie andere komplett hoch unter Wasser stehende Straßen schon am Donnerstagabend gesperrt.

Das DRK unterstützte die Feuerwehren sowie das THW. Wie Reinhard Scheipers vom DRK berichtete, waren nachts etwa 50 bis 70 DRK'ler aus dem ganzen Kreisgebiet in Delbrück eingesetzt, insgesamt waren es etwa 100 DRK-Kräfte. Das DRK stillte Hunger und Durst der Helferschar: Bei der Firma Wiechers wurden kurzerhand 1500 Würstchen abgeholt.
Offenbar gab es im Bereich Neukirchs Schleuse zur schlimmsten Phase des Gewitters eine örtlich sehr begrenzte Windhose. Indiz dafür: etwa 25 üppige Pappeln und ungefähr 25 Birken wurden entwurzelt und kippten um.
In Hövelhof (mehr als 130 Einsatzstellen am Donnerstag) sah die Gesamtsituation kaum anders aus. Auch in der Sennegemeinde verwandelten sich Bäche in Flüsse, beispielsweise der Krollbach. Weite Teile der umliegenden Felder wurden zu Teichen. Betroffen waren auch Gewerbebetriebe. Löschzüge aus Kaunitz und Stukenbrock, mehrere Landwirte sowie zwei Tiefbauunternehmen mit Spezialfahrzeugen unterstützten die Hövelhofer Wehr unter Einsatzleitung von Peter Kesselmeier.