Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat der Kreissozial und Gesundheitsausschuss dem Kreistag die Annahme der Fortschreibung des Rettungsdienst- Bedarfsplans empfohlen. In Delbrück bleibt die Wochenendlücke
Kompromissantrag von Meinolf Päsch zum Rettungsdienstbedarfsplan durchgefallen.

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Kreis Paderborn. Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat der Kreissozia und Gesundheitsausschuss dem Kreistag die Annahme der Fortschreibung des Rettungsdienst- Bedarfsplans empfohlen. Das Plädoyer von Meinolf Päsch (CDU) für eine Überganglösung für den Notarztdienst in Delbrück wurde mehrheitlich bei vier Enthaltungen
abgelehnt.

Mehr als 80 Feuerwehrleute aus Delbrück, Paderborn, Hövelhof und der Kreisfeuerwehrzentrale verfolgten die knapp 75-minütige Debatte im großen Sitzungssaal. Hinterher gab es von den Einsatzkräften keine guten Noten für die Volksvertreter. „Wenn Blinde über Farbe reden“, lautete einer der wenig charmanten Kommentare aus den Reihen der Feuerwehrleute.
Offizielle Kommentare gab es nicht, denn den Führungskräften der Paderborner Feuerwehr war bereits vor Wochen in dieser Frage ein Maulkorb aus der Stadtverwaltung verpasst worden. Hinter vorgehaltener Hand war jedoch zu hören, dass die vollmundig vorgetragenen Verbesserungen teilweise nur auf dem Papier bestehen oder dass die zusätzlichen Fahrzeuge in Wirklichkeit längst vorhanden sind.

Rar gemacht hatten sich auch die Delbrücker Kommunalpolitiker, als es um den Rettungsdienst in ihrer Stadt ging. Lediglich Anita Papenheinrich (CDU), als Notfallseelsorgerin eng mit den Einsatzkräften verwoben, verfolgte Päschs Auftritt als Einzelkämpfer für eine Nachbesserung in Delbrück. Dabei fokussierte der Delbrücker Kreistagsabgeordnete vor allem auf die fehlende Wochenendabdeckung im Notarztdienst, denn der soll künftig nur montags bis freitags von 8–20 Uhr im Dienst sein.

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Seit den 90er Jahren bietet der Westenholzer Arzt Johannes Fahl eine notärztliche Versorgung im Raum Delbrück und den angrenzenden ländlichen Gebieten an. Seit vielen Jahren ist Fahl fast täglich rund um die Uhr im Einsatz – rechtlich verankert im Bedarfsplan war seine Stelle nie, doch die Hilfe kam an. Ebenso stellte die Delbrücker Feuerwehr einen zweiten Rettungswagen bereit, der immer dann zum Einsatz kam, wenn der Rettungswagen, den das Rote Kreuz im Auftrage des Kreises in Delbrück betreibt, im Einsatz war. Auch dieser Dienst funktionierte an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr. Dieser stillen Aufrüstung verdankt Delbrück seine guten Werte im Rettungsdienst: In nahezu 94 Prozent aller Fälle ist das erste Rettungsmittel in weniger als 12 Minuten am Einsatzort.

Doch auch damit soll künftig Schluss sei: Der Rettungswagen der Feuerwehr wird durch einen zweiten Rettungswagen des Kreises für Delbrück ersetzt, der allerdings auch nur montags bis freitags von 8–20 Uhr verfügbar ist. Dann kommt die Wochenendlücke. Für rund 100.000 Euro im Jahr bei einem Gesamtetat von 2,5 Millionen Euro ließe sich nach Ansicht von Päsch wie bisher ein „fallweise unterstützendes Notarztsystem“ an Wochenenden wie bisher betrieben. Seinen Antrag bezeichnete er als „Kompromiss von Notwendigkeit und Vernunft“. Dass dieser Vorschlag nicht die Rettungswagenfrage löst, erwähnte Päsch nur am Rande.

Bernd Schulze-Waltrup (CDU) versagte seinem Fraktionskollegen die Unterstützung der CDU-Fraktion aufgrund der „rechtlichen Einordnung der Bezirksregierung. Auch die SPD-Fraktion lehnte den Vorstoß von Meinolf Päsch ab. Herbert Temborius, Leiter des Kreisordnungsamtes, betonte, die Kassen würden nichts bezahlen, was über das Gutachten hinauslaufe.
Kreisdirektor Ulrich Conradi erklärte, der Antrag von Päsch suggeriere einen Spielraum, den der Kreis gar nicht habe. Mit Blick auf die Delbrücker Situation fügte Conradi wörtlich hinzu: „Es gibt ja auch noch den Notarztstandort in Hövelhof, der nachts und an Wochenenden auch Delbrück bedienen kann.“

Bericht: Neue Westfälische von Ralph Meyer

KOMMENTAR

Debatte um den Rettungsdienstbedarfsplan. Wenn die Hilfe zu spät kommt.

RALPH MEYER

Verwaltung und Politiker zeigten zwar viel Verständnis für die effektive Verschlechterung der rettungsdienstlichen Versorgung in Delbrück, doch sie erklärten übereinstimmend, dass ihnen von Detmold und den Kassen die Hände gebunden seien. Warum probiert der Kreis nicht einfach mal den zivilen Ungehorsam? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bezirksregierung die Verwaltungskeule zückt und Fahrzeugschlüssel einkassiert, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen. Und sollte Detmold die Hilfe tatsächlich unterbinden wüssten die Bürger sofort, wo der schwarze Peter sitzt.

Eine andere Möglichkeit wäre, den seit geraumer Zeit diskutierten Plan einfach ad Acta zu legen und den bisherigen zur Verabschiedung des nächsten Rettungsdienstbedarfsplans weiterlaufen zu lassen. Das Thema Delbrück wäre dadurch sofort entschärft. Apropos Fortschreibung: Dezernent Michael Beninde stellt Fortschreibung und mögliche Verbesserungen innerhalb eines überschaubar kurzen Zeitabschnitts in Aussicht – etwa dann aber erst der Startschuss für ein neues Gutachten. Selbst wenn dann zügig beraten würde, ginge mindestens noch einmal ein Jahr bis zum Inkrafttreten des nächsten Planentwurfs ins Land. Also sollten sich die Bürger im Delbrücker Land darauf einrichten, dass es künftig auch einmal länger dauern kann, bis Hilfe kommt.

Oder ,wie es Anita Papenheinrich, die Notfallseelsorgerin, formulierte: „Ich bin es, die am Ende den Angehörigen die Nachricht verkaufen muss, dass die Hilfe leider zu spät gekommen ist.“.