Delbrücker Ärzteschaft warnt vor Verschlechterung der notärztlichen Versorgung in Delbrück.

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Delbrück/Kreis Paderborn (WV). In der Diskussion um den zweiten Standort einer Notarztwache im nördlichen Kreisgebiet hält jetzt auch die Ärzteschaft im Delbrücker Land nicht mehr still. »Sollte der zweite Notarztstandort nicht in Delbrück verankert werden, führt dies zu einer Verschlechterung der notärztlichen Versorgung im Raum Delbrück«, warnen Dr. Lambert Korff und Dr. Markus Hammerschmidt.
Foto: Im Gespräch mit Bürgermeister Werner Peitz: Dr. Lambert Korff (links) und Dr. Markus Hammerschmidt.

In einem Pressegespräch am Freitag im Rathaus machten Korff und Hammerschmidt als Sprecher der Ärzteschaft klar: »Zeit ist Leben!« Lambert verdeutlichte das beispielhaft aus ganz eigener Erfahrung und berichtete, er selbst sei vor einiger Zeit aufgrund einer Blutvergiftung, die sich dramatisch zuspitzte, auf schnellstmögliche Hilfe angewiesen gewesen: »Wenn Notarzt Dr. Johannes Fahl aus Westenholz nicht so schnell zur Stelle gewesen wäre, würde ich vermutlich gar nicht hier sitzen. Jedes Gerede über Kosten muss aufhören, wenn es um Leben und Tod geht!«

Auf weitergehende Bemerkungen zur Kostenfrage in der Notarzt-Standortdebatte verzichten Dr. Korff und Dr. Hammerschmidt ausdrücklich. »Den Ärzten im Delbrücker Land geht es vielmehr darum, aus medizinischer Sicht Stellung zu nehmen und klar zu machen, dass durch die aktuelle Entwicklung zur Notarztstandortfrage die Gefahr besteht, dass ein in der Region gut bewährtes System aufs Spiel gesetzt wird«, betonte Hammerschmidt.
Wie mehrfach berichtet, lehnen Krankenkassenverbände die Absicht des Kreises Paderborn ab, den zweiten Notarztstandort in Delbrück festzuschreiben. Die Kassen halten es aus ihrer Sicht für besser, wenn der zweite Notarzt im nördlichen Kreisgebiet, für den es zweifelsfrei Bedarf gibt, in Hövelhof stationiert wird, wo es schon jetzt eine 24-Stunden-Notarztwache gibt.

Hammerschmidt: »Uns geht es, ganz gleich wo, immer um möglichst schnelle, optimale Hilfe im Notfall, um die Qualität der Versorgung von Patienten. Für den Standort Delbrück spricht allerdings auch die hohe Fachärztedichte, die sich, abgesehen von Paderborn, sonst nirgendwo anders in der Region findet.«

Zeit sei ein ganz entscheidender Faktor.

Bereits vor gut einem Jahr hatte die Ärztegemeinschaft Paderborn-Land in einem Schreiben an Landrat Manfred Müller und Delbrücks Bürgermeister Werner Peitz vor dem Hintergrund einer möglichen Schließung der Notarztwache in Westenholz darauf hingewiesen, dass aus medizinischer Sicht ein Notarztstandort in Delbrück/im Delbrücker Land nicht ohne Not zerschlagen werden dürfe. Dr. Korff: »Alles andere würde zu einem Rückschritt führen.« Auch wenn die Notarztwache in Westenholz derzeit den Status eines ergänzenden Systems habe, gewährleiste Dr. Johannes Fahl dennoch an 365 Tagen im Jahr eine 24-Stunden-Erreichbarkeit. Durch seinen großen persönlichen Einsatz, seine Erfahrung, seine guten Kontakte und seine besonderen Ortskenntnisse »haben sich die Anfahrtszeiten zu Notfällen im Delbrücker Land verkürzt«, stellt Dr. Lambert Korff heraus. Man könne davon ausgehen, dass durch die kurzen Einsatzfristen schon etliche »Menschenleben gerettet werden konnten«. Rettungswagen und Notarzt seien praktisch eine rollende Intensivstation; je schneller sie vor Ort sei, umso besser. Sollte die Bezirksregierung Detmold Ende Januar eine Entscheidung für den Standort Delbrück (und eben nicht für Hövelhof, wo es ja schon eine Wache gibt) fällen, »könnten die Krankenkassenverbände dagegen klagen«, sagte Bürgermeister Werner Peitz. Die Stadt Delbrück habe keinerlei rechtliche Möglichkeiten; allerdings der Kreis Paderborn als Träger des Rettungsdienstes und somit als Vertragspartner.

Westfälisches Volksblatt Von Jürgen Spies