Augen auf – bevor es knallt. Feuerwehr und THW zeigen, wie gefährlich illegale, aber auch legale »Böller« sein können.

  • Feuerwehr und THW

 

Explosive Stimmung im alten Tanklager. Feuerwehr und THW warnen anschaulich vor falscher Handhabung von Feuerwerkskörpern

Kreis  Paderborn:  Im  ehemaligen NATO-Tanklager oberhalb von  Altenbeken gab es am Freitag schon mal einen Vorgeschmack auf  Silvester. Denn bei der Präventionskampagne des Kreisfeuer-wehrverbandes in Kooperation mit dem Paderborner Orts-verein  des  Technischen Hilfs-werks (THW) und des Löschzuges Altenbeken wurde so mancher Feuerwerkskörper und  Böller  gezündet, um auf die Gefahren im  Umgang mit Sprengstoff hinzuweisen. Besonders schwer hatte es Dummie Felix. Ihm wurde eine ganze Batterie Böller in die Hosentasche  gesteckt. Auch  sein Rucksack war randvoll mit Feuerwerkskörpern. Er zog sich bei den kontrollierten Zündungen schwere Verletzungen zu. Und die stammten längst nicht nur von der Explosion direkt am Körper.

„Dabei  können  auch nicht verbrannte Explosivstoffe in den Körper eindringen und und dort später als Sekundär- verletzungen beispielsweise den Verlust  von  Gliedmaßen her orrufen“,  erläutert THW- Sprengbeauftragter Werner Hartmann. Besonders übel traf es Dum- mie  Felix  immer  dann,  wenn sogenannte  Polen-Böller  zum Einsatz kamen. Das zeigten die eingesetzten Schweinepfoten an seinen Händen.„Schweinepfoten ähneln von der Struktur her der  menschlichen  Haut“, so Pressesprecher Niklas Schäfers vom Kreisfeuerwehrverband. Tiefe offene Wunden klafften in den  Pfoten, auch die Sehnen waren stark in Mitleidenschaft gezogen worden. „Alles  hätte sofort   chirurgisch behandelt werden müssen“, so Schäfers. Nicht zugelassene und nicht geprüfte  Knallkörper  sollten nicht gezündet werden.„ Da sind besondere Pulvermischungen drin, die zuvor nie getestet worden sind“, weiß Sprengexperte Hartmann. Beim Kauf von Feuerwerks- körpern sollte dringend auf das Prüfsiegel  geachtet  werden.

Maßgebend ist die BAM ID der Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung  (BAM)sowie das CE-Zeichen. Zudem sollten Name und Adresse des Herstellers oder Importeurs bekannt sein und auch die Art des Gegenstandes, die Altersgrenze sowie die entsprechende Kategorie in Großbuchstaben  gekennzeichnet sein. Bei  Feuerwerkskörpern  derKategorie II ist ein Sicherheitsabstand von acht Metern ratsam.  Auch die  Nettoexplosivmasse  (NEM)  sollte im Auge behalten  werden. Sie darf  bei Knallkörpern maximal sechs Gramm betragen. Bei Batterien sind es 500 Gramm, für Kombinationen mit Fontänen gelten 600 Gramm.

Während  Kleinst-Feuerwerke  (Kategorie  I)  ab  dem  vollendeten  zwölften  Lebensjahr ganzjährig  benutzt  werden können, dürfen Feuerwerkskörper der Kategorie II wie beispielsweise das Silvester-Feuerwerk nur an Personen ab dem 18. Lebensjahr verkauft  werden. Aber auch das Standard Feuerwerk kann bei falscher Handhabung gefährlich sein. So sollten Raketen nur auf sicherem Untergrund in einer Glasflasche gezündet werden, die fest in einem Getränkekasten steht.

Doch auch am Silvester-Tisch kann es unangenehm heiß werden. Wenn der Fondue-Topf erst mal in Brand geraten ist, bloß nicht das heiße Fett mit Wasser  zu  löschen  versuchen. Ganz schnell lief am Freitag der Feuerwehrmann weg, nachdem er Wasser auf das brennende Fett gegossen  hatte. Wenig  später war das Fett explodiert. Für die  Kräfte der Feuerwehr ist die Silvesternacht die einsatzreichste im gesamten Jahr. „Falls doch mal etwas passiert,  sofort den Notruf mit Ortsangabe und den fünf W’s absetzen und möglichst  kein Feuerwerk auf der Straße zünden,  damit  die  Einsatzkräfte auch durchkommen“, sagt Kreisbrandmeister Elmar Keuter. Er informierte sich am Freitag vor Ort in der Egge über die explosive  Präventionskampagne.

INFO
Böller sind nicht überall erlaubt´ Silvesterfeuerwerk der  Kategorie II darf nur am 31. Dezember und 1. Januar gezündet werden. Erhältlich ist es 2013 vom 28. bis zum 31. Dezember. Böller dürfen nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen,  Krankenhäusern, Kinder- und  Altenheimen und Fachwerkhäusern abgebrannt werden. Gebrauchshinweise müssen beachtet werden.

Neue Westfälische von VON ANDREAS GÖTTE

Fotos: Marc Köppelmann

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Westfälisches Volksblatt

Paderborn (WV). Schwere Verbrennungen oder Teilamputation – wer so ins neue Jahr gestartet ist, wird künftig vermulich keine Feuerwerkskörper mehr kaufen. THW und Feuerwehr zeigen, wie gefährlich die »Böllerei« sein kann – vor allem, wenn Alkohol im Spiel ist oder illegale Böller gezündet werden.

»Schwarzpulver ist verdammt tückisch, es genügt ein kleiner Funke, damit es explodiert«, warnt Werner Hartmann, Mitglied der THW-Fachgruppe »Sprengen«. Wer zum Beispiel Silvester achtlos seine Zigarette wegwirft und nicht darauf achtet, ob der Nachbar vielleicht einen Karton mit Böllern auf der Straße abgestellt hat, handelt ziemlich fahrlässig. Auch das Abschießen von Raketen aus leeren Flaschen ist nicht zu empfehlen. »Die Flasche sollte unbedingt stabil in einer Getränkekiste stehen, denn wenn sie umkippt, können böse Querschläger die Folge sein«, sagt der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes, Niklas Schäfers. Gleiches gilt für so genannte »Batterien«, die unbedingt auf ebener Fläche aufgestellt werden sollten.

Richtig gefährlich wird es, wenn »Böller« am Körper explodieren. »Wenn man vor Mitternacht schon Alkohol getrunken hat, sinkt oft die Hemmschwelle und manch einer meint dann, den Böller explodieren lassen zu können, wenn er ihn noch in der Hand hält«, sagt Schäfers. Was dann passiert, zeigen Feuerwehr und THW bei einem Versuch. Sie lassen Feuerwerkskörper in der Hand einer Puppe und in Schweinepfoten explodieren. Die Folgen sind gravierend. »Es können massive Verletzungen entstehen, die sofort chirurgisch versorgt werden müssen. Das geht von verletzten Sehnen und Muskelgewebe über offene Brüche bis hin zu weggesprengten Gliedmaßen«, warnt Schäfers.

Noch größer ist die Gefahr bei illegalen Feuerwerkskörpern, auch die hat die Feuerwehr für ihren Versuch besorgt (Schäfers: »Sie waren leider sehr leicht zu bekommen.«). Fast jedem Retter ist ein schlimmer Einsatz an Silvester, der arbeitsreichsten Nacht des Jahres, in Erinnerung. »Ich musste mal einem Kind helfen, dessen Hose sich durch eine einfache Wunderkerze entzündet hatte«, berichtet Niklas Schäfers. Deswegen ist den Helfern folgende Mahnung besonders wichtig: »Böllern« bitte nur nüchtern. Und Augen auf, bevor es knallt!

Bericht: Westfälisches Volksblatt von Meike Oblau