Westenholzer Notarztwache fährt rund 800 Einsätze pro Jahr - Rat und Verwaltung sprechen Dank aus.
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Delbrück / Westenholz (WV). In einem Zweifamilienhaus im Malvenweg in Westenholz bereiten sich Johannes-Joachim Fahl (56) und Oliver Schnake (37) gerade ihr Abendessen zu. Von der einen auf die andere Sekunde weicht die entspannte Atmosphäre: Der Funkmeldeempfänger piepst laut und ruft den Notarzt und den leitenden Rettungsassistenten zum Einsatz . . .

Stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Michaelis sowie Heiner Kersting, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, dankten bei ihrem Besuch in Westenholz Rettungsassistent Oliver Schnake und Notarzt Johannes-Joachim Fahl  für die 24-Stunden-Bereitschaft an der Bedarfs-Notarztwache im Malvenweg.
Fahl und Schnake, die ein gutes Team bilden, freuten sich über den Präsentkorb und die lobenden Worte ihrer Gäste. Die Wache leistet jährlich etwa 800 Einsätze, darunter 100 im Ehrenamt für die Feuerwehr.

Vor der Haustür der Erdgeschosswohnung steht ein einsatzbereiter VW Bus mit der gesamten medizinischen Ausrüstung. Die beiden Männer springen in das Fahrzeug, und mit Blaulicht und Martinshorn geht es los, um Menschen in einer Notlage zu helfen.
»Dabei zählt jede Sekunde. Bei Kammerflimmern, Herzstillstand oder Schlaganfällen muss man einfach schnell zur Stelle sein«, berichtet Johannes-Joachim Fahl. Rund 800 Einsätze absolviert er jährlich, fährt dafür um die 40 000 Kilometer, um Menschen zu helfen.
»Wir sind hier vor Ort absolut akzeptiert und unsere Arbeit wird anerkannt. Wenn ich Lebensmittel einkaufe und der Melder geht, kann ich alles stehen und liegen lassen. Die Mitarbeiter des Lebensmittelmarkt kümmern sich dann schon«, berichtet Oliver Schnake. Der junge Familienvater war in diesem Jahr über Weihnachten im Dienst.

Die Notarztwache deckt die Notarztversorgung in Delbrück-Mitte, in Schöning, Lippling, Hagen und Westenholz ab. Außerdem gehören Salzkotten-Mantinghausen, Rietberg, Rietberg-Mastholte, Verl-Kaunitz und Langenberg und zum Einsatzgebiet des Notarztes.

Seit 1993 fährt Johannes-Joachim Fahl als Arzt zu Einsätzen: »In den Anfängen löste in Westenholz noch die Sirene aus, wenn wir gebraucht wurden«, denkt der Mediziner knapp 20 Jahre zurück.
Im Januar 2008 wurde die Wache dann als Bedarfs-Notarztwache offiziell eingerichtet. Fuhren in den ersten Monaten Kameraden der Feuerwehr mit dem heute 56-jährigen zum Einsatz, versieht Oliver Schnake seit Mai 2008 als ausgebildeter Rettungsassistent den Dienst in der Wache.
Dabei bringt Schnake viel Erfahrung im Rettungswesen mit, immerhin ist er seit 19 Jahren Assistent. Aber auch heute noch stehen Feuerwehrkameraden bereit, um Schichten in der Wache als Fahrer und Rettungsassistent zu übernehmen.

»In der Arbeit als Notarzt steckt viel Herzblut und Idealismus«, bemerkt Fahl sicherlich stellvertretend für alle Notärzte. »Oftmals sind wir als erste an der Einsatzstelle. . .« Zu den rund 800 Einsätzen gehören auch etwa 100 Fahrten als Feuerwehrarzt, die Johannes-Joachim Fahl und Oliver Schnake dann ehrenamtlich fahren.
Die unverzichtbare und gleichzeitig belastende Arbeit der Notarztwache nahmen jetzt Brigitte Michaelis (stellvertretende Bürgermeisterin Delbrücks) und Heiner Kersting (noch wenige Tage allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters), zum Anlass, den Mitarbeitern der Wache für ihren täglichen Dienst zu danken. »Viele mögen den notärztlichen Dienst vielleicht als selbstverständlich hinnehmen, das ist es aber bei weitem nicht!«, zollt Heiner Kersting der Arbeit großen Respekt, rund um die Uhr für die Bürger da zu sein.
 
»Gäbe es diese Wache nicht, wäre es schlecht bestellt um die notärztliche Versorgung in den Randgebieten der Landkreise Paderborn/Gütersloh«, unterstreicht Kersting die Notwendigkeit der Wache und ergänzt: »Von Seiten der Stadt haben wir die Hoffnung, dass auch der Kreis Paderborn die Notwendigkeit im neuen Rettungsdienstbedarfsplan berücksichtigt und die Wache dort fest verankert.«
Mit einer Entscheidung über den neuen Rettungsdienstbedarfsplan rechnet Brigitte Michaelis allerdings erst Ende 2013. Immerhin finanziert der Kreis seit Jahresbeginn das Einsatzfahrzeug. »Um finanzielle Lücke zu schließen, hat der Rat der Stadt auch für das kommende Jahr 30 000 Euro bereitgestellt«, sieht Michaelis Diskrepanzen in der Bezahlung der Regelnotarztwachen beispielsweise in Hövelhof und Salzkotten sowie der in Westenholz.

Bericht: Westfälisches Volksblatt
Foto: Stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Michaelis sowie Heiner Kersting, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, dankten bei ihrem Besuch in Westenholz Rettungsassistent Oliver Schnake und Notarzt Johannes-Joachim Fahl (2. und 3. von links) für die 24-Stunden-Bereitschaft an der Bedarfs-Notarztwache im Malvenweg. Fahl und Schnake, die ein gutes Team bilden, freuten sich über den Präsentkorb und die lobenden Worte ihrer Gäste. Die Wache leistet jährlich etwa 800 Einsätze, darunter 100 im Ehrenamt für die Feuerwehr.