Technisches Hilfswerk feiert 60. Geburtstag. Vize-Kreisbrandmeister Bernhard Lücke verleiht THW-Ortsbeauftragtem Hartmut Dahm die Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedaille.



Paderborn (WV). Beim 60. Geburtstag des Technischen Hilfswerks (THW) Paderborn hat am Wochenende ein Mann gefehlt: Francois Cordie aus Paderborn baut in Jordanien ein Flüchtlingslager für Menschen aus dem Bürgerkriegsland Syrien auf. Seit Freitag ist der 52-jährige THW-Helfer für sechs Wochen im Ausland-Einsatz.Auch Mädchen wie Mascha Laustroer (13) und die zwölfjährige Saskia Lödige (rechts) sind in der Paderborner THW-Jugendgruppe (hier am Stromaggregat) aktiv. Am Samstag fand zum 60. Geburtstag der THW-Bezirksjugendwettkampf statt. Die Paderborner Gruppe gewann vor Warburg.

Bei einem Tag der offenen Tür hat das THW Paderborn am Samstag mal wieder seine Einsatzstärke unter Beweis gestellt, die auch international gefragt ist. Ob Hochwasser in Polen, Häuserbau im Süd-Sudan oder jetzt das Flüchtlings-Camp in Jordanien: Das THW ist mit seinen 120 Aktiven und 30 Jugendlichen nicht nur in Paderborn eine starke Kraft. THW-Ortsbeauftragter Hartmut Dahm (56) sagte im Festakt zum diamantenen Jubiläum, dass die Rettung von Menschenleben oder der Erhalt von Sachwerten wertvoller sei als der kostbarste Diamant. Das THW sei zu jeder Tageszeit an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit: Dagegen wirke ein Diamant wie ein farbloser Glassplitter eines zerbrochenen Glases.
Aber das THW ist im Geburtstagsjahr nicht sorgenfrei. Die Aussetzung der Wehrpflicht macht wie anderen Hilfseinrichtungen auch dem THW Paderborn schwer zu schaffen. »Wir müssen um jeden Freiwilligen kämpfen«, sagte Paul Müller-Lindloff, Sprecher des THW-Landesverbandes. Er mahnte die Politik, den Hilfsdiensten bessere Rahmenbedingungen zu bieten und die ehrenamtliche Arbeit nicht zu bürokratisieren: »Helfen muss Spaß machen«. Die Frauen und Männer des Technischen Hilfewerkes seien da, wenn sie gebraucht werden.
CDU-Landtagsabgeordneter Daniel Sieveke hält nach dem Wegfall der Wehrpflicht, die für alle Hilfsdienste ein Einschnitt gewesen sei, eine Diskussion über ein verpflichtendes soziales Jahr bei jungen Menschen für angebracht. Er bot den Hilfsdiensten Gespräche an, die Ortsbeauftragter Dahm sofort aufgriff: »Ich verspreche Ihnen, ich bin hartnäckig«. Während der Wehrpflicht hatten etliche junge Männer einen Ersatzdienst bei Hilfsdiensten wie Feuerwehr oder THW geleistet. Sie fehlen heute.

Vize-Kreisbrandmeister Bernhard Lücke möchte das Technische Hilfswerk am liebsten in »menschliches Hilfswerk« umtaufen. »Denn Ihr helft ja Menschen«, sagte Lücke. Er überreichte dem THW-Ortsbeauftragten Hartmut Dahm stellvertretend für die gesamte THW-Truppe die Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedaille. Feuerwehr und THW bilden oft eine Allianz: »Wir wissen, was der Andere kann und leistet«, sieht der Vize-Kreisbrandmeister kein Konkurrenzdenken.
Das THW Paderborn hat sich nach Einschätzung seines Ortsbeauftragten längst von einem Großbrand vor acht Jahren erholt. Damals verlor das THW nahezu seine gesamte technische Ausrüstung, als eine Halle in Flammen aufging.

Heute verfügt das THW Paderborn (13 Fahrzeuge, zwei Boote) über neue Hallen und ein großzügiges Übungsgelände im Dörener Feld. Dieses Gelände, auf dem das THW unter anderem einen Übungsturm gebaut hat, steht auch anderen Hilfsdiensten wie der Feuerwehr zur Ausbildung zur Verfügung. Beim Ausbruch einer Tierseuche zum Beispiel wird das THW-Gelände in Paderborn zum Logistikzentrum.
Mit gleich zwei Jugendgruppen, die bei einem Bezirksjugendwettkampf ihr Können zeigten, betreibt das THW auch intensive Jugendarbeit.

Bericht: Westfälisches Volksblatt. Von Karl Pickhardt (Text und Fotos)

Fotos:
Auch Mädchen wie Mascha Laustroer (13) und die zwölfjährige Saskia Lödige (rechts) sind in der Paderborner THW-Jugendgruppe (hier am Stromaggregat aktiv. Am Samstag fand zum 60. Geburtstag der THW-Bezirksjugendwettkampf statt. Die Paderborner Gruppe gewann vor Warburg

Vize-Kreisbrandmeister Bernhard Lücke (links) verleiht THW-Ortsbeauftragtem Hartmut Dahm die Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedaille. Das THW besteht in Paderborn seit 60 Jahren.

Bericht: Neue Westfälische

Die Retter in der Not.Das Technische Hilfswerk feiert 60-jähriges Bestehen / Medaille für Hartmut Dahm.

VON MAREIKE GRÖNEWEG, Paderborn.
Ob Hochwasser, Stromausfall oder Scheunenbrand - das Technische Hilfswerk leistet seit 60 Jahren Katastrophenschutz in Paderborn. Als Verdienst für das jahrelange Engagement erhält Hartmut Dahm die Deutsche Feuerwehrehrenmedaille. "Besonders die letzten zehn Jahre haben das technische Hilfswerk geprägt, unter anderem durch die enge Zusammenarbeit mit der Feuerwehr", erklärte der Ortsbeauftragte Dahm.
Das Technische Hilfswerk gründete sich als als Zivilschutzorganisation, entwickelte sich aber in den letzten Jahren besonders in Richtung Katastrophenschutz. Mit einer großen Ausstattung und unterschiedlichen Fachgruppen wie Bergung, Sprengung oder Wasserschaden ist der Ortsverband in Paderborn breit aufgestellt. "Die Feuerwehr und das THW müssen sich in der heutigen Zeit den gleichen Problemen stellen: Es wird immer schwieriger, Helfer zu finden", erläutert der stellvertretende Kreisbrandmeister Bernhard Lücke. Der Wegfall der Wehrpflicht. hat das Problem verschärft.

"Die Abschaffung der Wehrpflicht macht es uns sehr schwer, neue aktive Helfer zu gewinnen und für das Ehrenamt zu begeistern", sagt Hartmut Dahm. 123 aktive Helfer und 30 Jugendliche unterstützen das Technische Hilfswerk derzeit. Francois Cordie, ein Helfer aus dem Paderborner Ortsverband, ist letzte Woche nach Jordanien ins Krisengebiet geflogen, um dort ein Flüchtlingslager aufzubauen. Er ist dort Teil eines UN-Projekts und engagiert sich im Namen des Technischen Hilfswerkes. Wer helfen will, kann dem Ortsverband beitreten und die Grundausbildung absolvieren.

Besonders stolz ist das THW auf seine große Jugendabteilung. Auch wenn der Augenmerk hier auf Spaß liegt, wird unter anderem der Umgang mit den Geräten geübt. "Die Jugendabteilung ist das Rückgrat und die Zukunft des technischen Hilfswerkes", betonte der Paderborner CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Sieveke. Im Anschluss an den Festakt präsentierte das technische Hilfswerk sich am Samstag mit einem Tag der offenen Tür vielen Bürgern. Zur nächsten Grundausbildung findet am Montag, 8. Oktober, um 19. 30 Uhr ein Informationsabend statt.