Feuerwache aufs MW-Gelände

Wehr und Stadt bevorzugen diesen Standort - Jahreshauptversammlung mit Ehrungen
Von Klaus Karenfeld
Bad Lippspringe (WV). Stadt und Bad Lippspringer Feuerwehr sind sich einig: Das 40 000 Quadratmeter große Gelände der ehemaligen Mechanischen Weberei wäre der ideale Standort für ein neues Feuerwehrgerätehaus. Während Bürgermeister Andreas Bee eine »zeitnahe« Entscheidung anstrebt, fordert Wehrführer Elmar Thiele die politisch Verantwortlichen auf, schnell und unverzüglich zu handeln.
19 mögliche Standorte für eine neue Feuerwehrwache haben zwei Studenten der Fachhochschule Lemgo im Rahmen ihrer Diplomarbeiten genau überprüft. Seit März 2011 liegt das Ergebnis vor, und das ist eindeutig: Als einzig empfehlenswerter Standort mit einer ausreichend großen Fläche kommt nur das ehemalige MW-Gelände an der Detmolder Straße infrage. »Wir teilen seit langem diese Meinung«, machte Wehrführer Thiele in der Jahreshauptversammlung deutlich. An die Verantwortlichen der Stadt appellierte er, »kurzfristig« tätig zu werden. Das Unfallrisiko im alten Feuerwehrgerätehaus an der Wilhelm-Hücker-Straße sei aufgrund der räumlichen Enge einfach zu groß. »Ich bin heilfroh, dass hier bis heute kein schwerer Unfall passiert ist«, sagte Thiele.
Auch Bürgermeister Andreas Bee macht sich für die MW-Fläche als Standort stark. Allerdings sei die Stadt nicht Eigentümerin des 40 000 Quadratmeter großen Areals, sondern die Volksbank Schlangen. Aktuell gebe es konkrete Gespräche mit Vertretern der Bank und den unmittelbaren Grundstücksnachbarn. Eine »zeitnahe Lösung«, so Bee, sei sein Ziel. Für 2014 stellte der Bürgermeister den Kauf einer neuen Drehleiter in Aussicht.
Zahlen und Fakten bestimmten die weitere Tagesordnung: Zu insgesamt 123 Einsätzen musste die Bad Lippspinger Feuerwehr im vergangenen Jahr ausrücken, 35 Personen konnten dabei aus teilweise lebensgefährlichen Situationen gerettet werden; für drei Menschen kam jedoch jede Hilfe zu spät.
Dass in Bad Lippspringe die Zahl der Ein-Personen-Haushalte vergleichsweise hoch ist, spiegelt sich auch im Arbeitsalltag der Blauröcke vor Ort wider. »Wir haben 2011 immerhin 30-mal Menschen aus unterschiedlichen Notlagen befreien müssen«, sagte Thiele. »In den meisten Fällen handelte es sich um allein lebende Personen, die zwar noch den Rettungsdienst alarmieren konnten, aber nicht mehr in der Lage waren, die Haustür zu öffnen.«
Unverändert hoch ist die Zahl der Fehlalarme, die sich 2011 auf 34 belief. »Böswillige Alarmierungen« gab es allerdings nicht.
Und auch das machte der Bericht von Schriftführer Bodo Backhaus mit Blick auf die Statistik deutlich: Die Bad Lippspringer Feuerwehr ist eine (Noch-)Männerdomäne. Nur 26 Prozent der Mitglieder sind weiblich. Aktuell gehören der Einsatzabteilung 72 Männer und lediglich sieben Frauen an. Die Jugendfeuerwehr zählt 26 Nachwuchskräfte; eine Warteliste ist eingerichtet. Die Ehrenabteilung hat 41 Mitglieder (ausschließlich Männer). Der Musikzug bringt es auf 59 und der Spielmannszug auf immerhin 43 Aktive.
Ausbildungsleiter Hartmut Klüter attestierte der Wehr, sehr gut auf die unterschiedlichen Einsätze vorbereitet zu sein. An der Ausbildungsstätte des Kreises Paderborn konnten 2011 insgesamt 16 Lehrgänge besucht und erfolgreich abgeschlossen werden.
Deutliche Kritik am jetzt eingebrachten Haushaltsentwurf 2012 von Stadtkämmerin Erika Josephs äußerte am Rande der Feuerwehr-Versammlung Bad Lippspringes Ehren-Stadtbrandmeister Hartmut Schlüter: »Wenn hier für den Brandschutz tatsächlich ein Betrag von nur 35 000 Euro angesetzt wird, verschlägt mir das doch die Sprache.«

Artikel vom 23.01.2012
Gruppen Foto von den Geehrten
Mit dem Feuerwehrehrenzeichen in Silber für 25-jährige Mitgliedschaft wurde Frank Graute ausgezeichnet. Das Ehrenzeichen in Gold erhielten für 35-jährige Mitgliedschaft Monika Aue und Kurt Witte, für 40 Jahre Bodo Backhaus, Albert Rosenbach und Karl-Heinz Willeke sowie für 50 Jahre Dieter Haske (Goldene Ehrennadel des Feuerwehrverbandes NRW). Über stehenden Applaus durften sich Michael Kemenas, Konrad Kleinemeyer und Franz Pauly freuen, die der örtlichen Wehr bereits seit 60 Jahren die Treue halten. So etwas wie das Urgestein der Feuerwehr Bad Lippspringe ist Josef Witte, der 2012 sogar auf eine 70-jährige Mitgliedschaft zurückblicken kann. Das Foto zeigt die bei der Versammlung anwesenden Geehrten (von links): Kreisbrandmeister Elmar Keuter, Bürgermeister Andreas Bee, Kurt Witte, Monika Aue, Bodo Backhaus, Dieter Haske, Michael Kemenas, Frank Graute, Josef Witte und Stadtbrandmeister Elmar Thiele.Foto: Klaus Karenfeld