Jugendfeuerwehr feiert 40-jähriges Bestehen

Bad Lippspringe(MH). Mit 150 Jugendlichen aus den Nachbarwehren und einem großen Vorführprogramm feierte jetzt die Jugendfeuerwehr Bad Lippspringe ihr 40-jähriges Bestehen. Hunderte von Besuchern kamen zur Gesamtschule, um sich die Simulation von verschiedenen Einsätzen anzusehen.

Die 30-köpfige Schar der aktiven Nachwuchsmitglieder der Badestädter Wehr hatte dazu eingeladen, mit unter den Zuschauern natürlich auch etliche »Veteranen« der Wehr, die durch diese interne Nachwuchsschule gegangen sind und später im aktiven Dienst waren. Auch für Heinrich Heinemann war es ein besonderer Moment: Der 66-Jährige war fast von der ersten Stunde an mit dabei. »Als ich 1970 als Feuerwehrmann eintrat, hatte ich keine Vorstellung davon, wie lange ich in der Feuerwehr bleiben würde. Die Kameradschaft hat mich einfach dabei gehalten«, so Heinemann rückblickend.


Die Jugendfeuerwehr Bad Lippspringe war bei ihrer Gründung am 8. November 1978 die vierte ihrer Art im Kreis Paderborn. Schloß Neuhaus war 1962 die erste, so dass die damaligen Initiatoren Meinolf Wischer und Brandmeister Friedhelm Nolte bei den Nachbarn eine gute Informationsgrundlage nutzen konnten. Heinemann war zu der Zeit bereits seit acht Jahren Feuerwehrmann. Wenige Monate nach der Gründung, half er auch bei der Jugendfeuerwehr als Betreuer der Jugendlichen mit und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Nachwuchsabteilung.
In die reguläre Feuerwehr eingetreten ist Heinemann 1970 als 18-Jähriger, so wie zu der Zeit üblich. Gewollt hat er eigentlich schon viel früher. Einzig, er durfte nicht. »1966 hatte ich gerade in Bad Lippspringe eine Ausbildung zum Tischler angefangen. Eines Tages brannte auf dem Hof unseres Chefs das Obergeschoss. Wir sollten im Erdgeschoss noch schnell die Möbel aus dem Haus tragen, während die Feuerwehr oben gelöscht hat«, erinnert sich Heinemann. Er fragte bei der Feuerwehr an, ob er mitmachen könne, bekam aber aufgrund seines Alters noch eine Abfuhr: »Ich sei noch grün hinter den Ohren und solle erst einmal erwachsen werden.«
Dank der Einführung der Jugendfeuerwehr liegt das Eintrittsalter mittlerweile bei zehn Jahren. Die aktuelle Jugendfeuerwehr hat derzeit 30 Mitglieder. Treffen sind an jedem Mittwoch. Das war früher schon so und ist auch so geblieben. »Uns geht es um die spielerische Vermittlung von Werten, wie Kameradschaft, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit. Aber natürlich auch um die ersten Grundkenntnisse, denn am Ende sollen natürlich möglichst viele Mitglieder in den aktiven Dienst übernommen werden«, sagt Philipp Wittbecker, der zusammen mit Jonas Bee und Christopher Heinemann den aktuellen Vorstand der Jugendfeuerwehr bildet.
Etwa 80 Prozent der derzeitigen aktiven Feuerwehrfrauen und -männer in den drei Zügen kommen aus der Jugendfeuerwehr. Auch die aktuelle Wehrleitung um Michael Heck, Gerhard Nolte und Michael Alewelt hat die interne Nachwuchsschule durchlaufen. Der Spaß kam und kommt nie zu kurz und ist ein wichtiger Faktor, gerade in jungen Jahren. Denn die Nachwuchssuche läuft, trotz sozialer Medien, auf denen die Feuerwehr vertreten ist, größtenteils noch über Mundpropaganda. »Entweder sind die Freunde bei der Feuerwehr oder die Eltern selbst aktiv. So war es früher, so ist es auch heute noch«, weiß Christian Hoffbauer, der von 2004 bis 2016 die Leitung der Feuerwehr innehatte.
Als Ausgleich für den ehrenamtlichen Einsatz bekommen die Jugendlichen in der Jugendfeuerwehr auch einiges geboten: Besonders beliebt sind natürlich die regelmäßigen Fahrten, welche die Truppe zumeist auf die Nordseeinseln zieht. Texel in den Niederlanden, Borkum, Sylt oder Norderney aber auch zwei Segeltouren gehörten schon dazu. Freundschaftliche Kontakte pflegt die Feuerwehr zudem zur Feuerwehr im ostdeutschen Templin. Deren damalige Jugendfeuerwehr wurde auch mit Hilfe aus Bad Lippspringe nach der Wende aufgebaut. Maßgeblich beteiligt ist sie auch an der Durchführung der Leistungsspange mit jeweils rund 300 Teilnehmern.
»Wir haben die Jungen und Mädchen oft seit ihrem zehnten Lebensjahr begleitet. Wenn sie dann bei einem Einsatz erstmalig aktiv in den Zügen mit uns unterwegs sind, ist das ein besonderer Moment«, sagt Hoffbauer. Und dieses besondere Gefühl kennt auch Heinrich Heinemann.

Quelle: Westfalen Blatt den 10.05.2018