Erinnerung an Karfreitags-Unfall. Vor zehn Jahren kamen auf der Südring-Kreuzung vier Menschen ums Leben.

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Paderborn: Es war einer der schwersten Unfälle in Paderborn: In der Nacht zum Karfreitag 2009 stießen auf der Kreuzung Warburger Straße/Südring ein voll besetztes Taxi und ein Drehleiter-Fahrzeug der Feuerwehr zusammen.
Der Horrorunfall kostete damals vier Menschen das Leben, weitere sechs wurden schwer verletzt. Am zehnten Jahrestag erinnerte die Paderborner Feuerwehr am Mittwochabend an das tragische Geschehen, bei dem auch ein Feuerwehrmann starb.

Es war gegen 1 Uhr in der Nacht zum Karfreitag, als das Drehleiterfahrzeug der Feuerwache Süd mit Martinshorn und Blaulicht zu einem Brand in den Stadtteil Dahl unterwegs war. Das Einsatzfahrzeug fuhr – so ermittelte es später ein Sachverständiger – mit 70 bis 80 Stundenkilometern und möglicherweise noch bei Rotlicht vom Südring kommend in die Kreuzung ein. Von rechts aus Richtung Lichtenau näherte sich auf der Warburger Straße in diesem Moment mit überhöhter Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern – erlaubt ist hier Tempo 50 – ein mit dem Fahrer und vier Fahrgästen besetztes Taxi.

Im Kreuzungsbereich kam es zu dem folgenschweren Zusammenstoß, bei dem das Feuerwehrfahrzeug umkippte und auf der Gegenfahrbahn mit zwei weiteren Pkw kollidierte. Im Taxi starb ein Ehepaar, im Leiterwagen ein Feuerwehrmann. Ein weiterer Unfallbeteiligter starb später an den Folgen seiner schweren Verletzungen.
Knapp zweieinhalb Jahre dauerte es, bis das Paderborner Schöffengericht die juristische Aufarbeitung des Geschehens abgeschlossen hatte. Das Urteil gegen den Taxifahrer, der den Crash schwer verletzt überlebt hat, fiel milde aus. Er erhielt eine zur Bewährung ausgesetzte Geldstrafe, weil er zu schnell in die Kreuzung eingefahren war. Das Verfahren gegen den Fahrer des Feuerwehrfahrzeugs, dem vorgeworfen worden war, die Einsatzfahrt nicht mit der erforderlichen Umsicht ausgeführt zu haben, wurde eingestellt.
Die Geschichte hatte aber auch noch eine versorgungsrechtliche Seite, die es zu klären galt. Nach Auffassung der Verwaltungsgerichte schwebt ein Feuerwehrmann auf der Fahrt zum Einsatz nicht generell in Lebensgefahr. Verunglückt er, gilt das deshalb zwar als Dienstunfall – nicht aber als so genannter qualifizierter Dienstunfall. Der liegt beispielsweise vor, wenn ein Feuerwehrmann in einem brennenden Haus ums Leben kommt. Die unterschiedliche Bewertung macht bei der Berechnung der Hinterbliebenenrente etwa 100 Euro aus. Aufgrund des Paderborner Falls wurde 2013 von SPD und Grüne im Landtag die Einrichtung eines Feuerwehr-Fonds beschlossen, der solche finanziellen Verluste ausgleicht. Als erstes wurde das Geld an die Familie des beim Karfreitags-Unfall getöteten Paderborner Feuerwehrmanns gezahlt.

All dies sollte aber am Gedenktag für die Opfer keine Rolle spielen. Am Mittwochabend, dem zehnten Jahrestag des schrecklichen Ereignisses, erinnerte die Paderborner Feuerwehr nur an das Geschehen und das Leid, das wenige Sekunden Unaufmerksamkeit in den betroffenen Familien ausgelöst haben.
Die Gedenkstunde wurde mit einem Ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche Maria zur Höhe, nur wenige Schritte vom damaligen Geschehen entfernt, eröffnet. Abgehalten wurde er von den Pfarrern Peter Schweiwe und Peter Dalheimer. Auch die Notfallseelsorger der Feuerwehr brachten sich ein. Neben den Feuerwehrkameraden und -kameradinnen nahmen auch die eingeladenen Opferfamilien teil.

Anschließend zogen die Teilnehmer der Gedenkstunde zur Unfallstelle, neben der bis heute ein Holzkreuz an die Opfer erinnert. Dort wurden Blumen niedergelegt und ein Gebet gesprochen. Auf eine Ansprache wurde verzichtet. Musikalisch gestaltet wurde das Gedenken vom Feuerwehr-Musikzug Schloß Neuhaus.

Quelle: Westfälisches Volksblatt