Training in der Flammenhölle. Feuerwehrleute proben im Brandcontainer den Ernstfall.

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Kreis Paderborn. Ein Feuer unter einer Metalltreppe, ein brennender Herd oder Flammen, die aus einem Bett schlagen – in einem speziell dafür ausgestatteten Brandcontainer proben die Feuerwehren aus dem Kreisgebiet den Ernstfall. Kreisausbilder Martin Carl überwacht im Leitstand die Übung und die Technik. Einen Raum weiter kauern vier Feuerwehrleute am Boden des Brandcontainers. Vor ihnen schlagen die Flammen hoch bis zur Decke. Die Hitze nimmt immer mehr zu. Wäre das hier ein Backofen – jede Pizza würde verbrennen.

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»Der Einsatz mit Atemschutzgeräten gehört sicherlich zu den schwierigsten und körperlich anstrengendsten Tätigkeiten von Feuerwehrleuten«, weiß Kreisausbilder Rudolf Reiling (55). Nicht nur, dass die Ausrüstung schnell 30 Kilogramm wiegen kann, in einem mit Rauch gefülltem Raum ist auch die Sicht sehr eingeschränkt. Dazu kommt die Hitze des Feuers.
Um für derartige Situationen gewappnet zu sein, gibt es seit zwei Jahren einen modernen Brandcontainer an der Kreisfeuerwehrzentrale. Anlässlich der geplanten Erweiterung der Anlage hat das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT hinter die Kulissen geblickt.
Löschgruppen aus dem ganzen Kreis Paderborn können hier kostenlos trainieren. Wahlweise über Türen oder vom Dach eine Treppe herunter steigen die Übungsteilnehmer in den Container, der einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung entspricht. Die Feuerwehrleute bewegen sich tief gebückt bis kriechend voran. Merkregel: je höher, desto heißer.
Knapp 200 Feuerwehrleute im Kreisgebiet haben im vergangenen Jahr das für Löschgruppen kostenlose Übungsangebot genutzt. Völlig durchschwitzt nehmen die Teilnehmer Frederic Kleine und Detlef Hammerschmidt von der Löschgruppe Büren-Harth nach der Übung ihre Masken ab. Die Anlage ist optimal, um Fehler im Einsatz zu vermeiden. Ziel sei auch eine Gewöhnung an die extremen Temperaturen in brennenden Häusern. »Das hautnah zu erleben ist schon etwas anderes.«

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Nachdem das Vorgängermodell, das zuvor in der ehemaligen Unterbringungseinrichtung Stöckerbusch aufgestellt war, aufgegeben werden musste, forderte Kreisbrandmeister Elmar Keuter Ersatz für die »Heißausbildung«. 250.000 Euro kostete die Anschaffung der modernen Brandsimulationsanlage.
In OWL gibt es laut Reiling eine ähnliche Anlage im Kreis Höxter, die als Vorbild diente, sowie das Brandhaus in Lippe und einige private Anbieter, die jedoch Kosten und längere Anfahrtswege zur Folge gehabt hätten.

Der momentane Flashover-Container stößt für viele Übungszwecke räumlich an seine Grenzen: Die Anlage soll deshalb in zwei Monaten um zwei weitere 20 Fuß große Seecontainer erweitert werden. Derzeit werden die Container in Bad Sassendorf umgebaut. 25.000 Euro werden investiert. Mit den neuen Kaltraumcontainern sollen so weitere taktische Maßnahmen, Schlauchführungen und Menschenrettungen besser trainiert werden.

Quelle: Westfälisches Volksblatt, von Jörn Hannemann