Abschied von einem alten Schätzchen. Dekontaminations-Mehrzweckfahrzeug der Feuerwehr für 17.000 Euro versteigert.

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Paderborn: Die Stadtkasse ist um gut 17.000 Euro reicher, die Paderborner Feuerwehr um ein altes Schätzchen ärmer. Ihr 42 Jahre altes und seltenes Dekontaminations-Mehrzweckfahrzeug hat bei einer Auktion des Zolls einen neuen Besitzer gefunden.

Das Dekon-Fahrzeug des Typs MAN-Kurzhauber erzielte bei der Versteigerung damit deutlich mehr als das Anfangsgebot von 8600 Euro. »Unter 10.000 Euro geht so ein Fahrzeug nicht weg«, weiß Paderborns Feuerwehrchef Ralf Schmitz: »Hauberfahrzeuge sind Liebhaberstücke und werden bis nach Amerika verschifft.« Wer das 170 PS starke Exemplar, das noch auf dem Gelände der Feuerwache-Nord am Österreicher Weg abgestellt ist, erworben hat, interessiert Schmitz nicht besonders, denn am liebsten hätte er es behalten. »Damit verschwindet ein Stück Feuerwehrhistorie«, betont er.

Das Dekontaminations-Mehrzweckfahrzeug (DMF) hat knapp 20.000 Kilometer auf dem Tacho. Der Bund hatte es in den 1970er Jahren angeschafft. Die Paderborner Feuerwehr war auf das jetzt versteigerte Exemplar aufmerksam geworden, nachdem die Feuerwehr Lippe es bereits ausgemustert hatte. »Wir haben es in einem grottenschlechten Zustand bekommen«, erinnert sich Schmitz unter anderem an das Loch im Kotflügel. Das Katastrophenschutzfahrzeug wurde restauriert und rot lackiert. Vorher hatte es eine orangefarbene Haut.

Für die neuen Besitzer, die ein ABC-Fahrzeug gebraucht hatten, war es seit März 2003 im Einsatz, unter anderem bei der Fußball-WM 2006 in Gelsenkirchen. Der Dekon-Kurzhauber war mit Sprühdüsen am Heck für Desinfektionsmittel und Wasser ausgerüstet, zudem mit Zelten, einem Warmwasserbereiter, Sitzbänken und Gerüsten. Seit gut eineinhalb Jahren kommt die heimische Feuerwehr ohne ihn aus, denn sie kann inzwischen auf den Abrollbehälter samt Duschen in der Wache-Süd zurückgreifen.

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Nicht nur Ralf Schmitz hängt an den alten Schätzchen. Eine eigene historische Abteilung, liebevoll »die Schrottabteilung« genannt, hält ehrwürdige Fahrzeuge in Schuss oder restauriert sie. Demnächst soll eine historische Spritze vom Ende des 19. Jahrhunderts instand gesetzt werden, die in einer Scheune vor sich hin schlummerte und von den Paderbornern für 1000 Euro bei Ebay ersteigert wurde. »Viele Feuerwehren nutzen gut erhaltene Fahrzeuge für Tage der offenen Tür, für Sternfahrten oder Verabschiedungen und Hochzeiten von Kollegen«, erzählt Schmitz. Die Paderborner Feuerwehr versteigert immer wieder mal Krankenwagen, die 300.000 Kilometer oder mehr gefahren sind. Die sind dann durch und ihr Liebhaberwert ist gering – ganz anders als beim MAN-Dekon-Fahrzeug.

Quelle: Westfälisches Volksblatt