Feuerwehr hat alles im Griff. Delbrück braucht keine hauptamtliche Wache: Ausnahmegenehmigung erteilt.

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Delbrück: Die Freiwillige Feuerwehr Delbrück ist nicht nur gut aufgestellt – sie spart der Stadt jährlich auch mehr als drei Millionen Euro ein. Die Bezirksregierung hat erneut festgestellt, dass Delbrück nicht wie gesetzlich gefordert eine hauptamtliche Feuerwache errichten muss.

Eine entsprechende fünf Jahre lang gültige Ausnahmegenehmigung hat Karsten Weber von der Bezirksregierung gestern an Bürgermeister Werner Peitz übergeben. In einem langwierigen Verfahren hat die Freiwillige Feuerwehr kurz gesagt unter Beweis gestellt, dass sie in Delbrück »alles im Griff« hat. Eine hauptamtliche Wache würde für die Stadt alleine drei Millionen Euro jährliche Personalkosten bedeuten, sagte der Leiter des Kreisordnungsamtes, Herbert Temborius.

Für die Feuerwehr und die Stadtverwaltung bedeutete es eine Menge Arbeit, bis die Ausnahmegenehmigung erteilt werden konnte. So musste eine Gefährdungsanalyse erstellt werden, die wiederum in den mehr als 100 Seiten starken Brandschutzbedarfsplan einfloss. Außerdem gab es unangekündigte Alarmüberprüfungen zu unterschiedlichen Uhrzeiten und an verschiedenen Wochentagen. Dabei musste die Feuerwehr beweisen, dass sie jederzeit binnen der festgelegten Ausrückzeit von acht Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sein kann. Für Außenbereiche, in denen es knapp wurde, hat die Stadt Delbrück Vereinbarungen mit den Nachbarkommunen Hövelhof, Rietberg und Salzkotten geschlossen.

In der Gefährdungsanalyse mussten zahlreiche Fakten zusammengetragen werden, sagte der stellvertretende Delbrücker Wehrführer Ralf Fischer, der seit einiger Zeit auch in der Stadtverwaltung angestellt und vor allem für feuerwehrtechnische Aufgaben innerhalb des Fachbereichs Bürgerdienste zuständig ist. So musste detailliert erfasst werden, in welchen Delbrücker Gewerbegebieten welche gefährlichen Stoffen lagern, wie viele Insassen in den örtlichen Justizvollzugsanstalten untergebracht sind, wie viele Kinder welche Schulen besuchen oder wie viele Menschen in den örtlichen Pflegeeinrichtungen leben.
»Es ist bemerkenswert, dass die Delbrücker Feuerwehr das alles in Eigenleistung zusammengestellt hat. Das ist Arbeit, die bei der Übergabe des Bescheides niemand sieht. Aber die Feuerwehr hat das positive Bild, das wir ohnehin schon gewonnen hatten, mit diesem Engagement noch mal bestätigt«, lobte Karsten Weber von der Bezirksregierung.

Wehrführer Johannes Grothoff sagte, all das habe nur geleistet werden können, weil der stellvertretende Wehrführer Ralf Fischer inzwischen im Rathaus angestellt sei. Das bestätigte der Leiter des Kreisordnungsamtes, Herbert Temborius: »Auf Dauer geht es ganz ohne hauptamtliche Unterstützung nicht, auch der Kreis und die Bezirksregierung stellen im Bereich Katastrophenschutz für das Organisatorische neues Personal ein, das wird immer bedeutender.

Bürgermeister Werner Peitz deutete an, bereits über eine zweite Stelle in der Stadtverwaltung für den Bereich Feuerwehr nachzudenken: »Delbrück wächst, und da müssen auch Infrastruktur und Verwaltung mitwachsen.«Der Brandschutzbedarfsplan enthalte für die Stadt noch zahlreiche »Hausaufgaben«, sagte der Bürgermeister. »Vor allem hinsichtlich der Gerätehäuser stehen noch viele Maßnahmen an. Wir müssen sehen, wo saniert werden kann oder wo sogar noch größere Maßnahmen anstehen. Das müssen wir jetzt anpacken.«

In den sechs Delbrücker Einsatzabteilungen sind etwa 360 Feuerwehrleute aktiv. Der demografische Wandel mache auch vor der Feuerwehr nicht Halt, 2018 sei die Bereitschaft, einem Löschzug beizutreten, aber erstmals wieder gestiegen, sagte der stellvertretende Wehrführer Johannes Appelbaum, der das auch auf Werbemaßnahmen in Schulen oder beim Katharinenmarkt zurückführte.

Foto: Karsten Weber, Leiter des Bereichs Gefahrenabwehr bei der Bezirksregierung (Vierter von links) überreicht die Ausnahmegenehmigung im Beisein von Johannes Appelbaum und Ralf Fischer (stellvertretende Leiter der Feuerwehr Delbrück), Kreisbrandmeister Elmar Keuter, Lukas Husemann (Fachbereich Bürgerdienste), Werner Mattiza (Leiter Fachbereich Bürgerdienste) und Herbert Temborius (Leiter des Kreisordnungsamtes, von links) an Bürgermeister Werner Peitz (Fünfter von links)

Quelle: Westfälisches Volksblatt