Stadtführung in Münster endet an echtem Tatort. 19 Notfallseelsorger aus Paderborn werden in Münster zufällig Zeugen der Amokfahrt.

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Münster/Paderborn: Betroffene der Amokfahrt in Münster konnten am Samstag besonders schnell seelsorgerisch betreut werden. Denn zufällig waren Fachleute aus OWL in der Altstadt unterwegs, als ein Mann nachmittags mit einem VW-Bus in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte fuhr.


Die 19-köpfige Gruppe der Notfallseelsorge Paderborn-Stadt hielt sich zu einer Fortbildung in Münster auf. Mit den Kollegen der dortigen Notfallseelsorge habe man sich fachlich ausgetauscht, berichtet Peter Scheiwe. Der 60-jährige Pfarrer, der seit 2013 Leiter des Pastoralen Raums Schloß Neuhaus ist und wie viele seiner Kollegen auch bei der Bombenentschärfung in Paderborn wieder seelsorgerisch aktiv waren, erinnert sich: Den Abschluss der Veranstaltung in Münster sollte eine »Tatort«-Stadtführung zu den markantesten Schauplätzen der ARD-Krimireihe bilden. »Anhand von Fotos mussten wir herausfinden, welche Kulisse wir als nächstes ansteuern. Mit dem Dom waren wir gerade fertig und auf dem Weg zum Kiepenkerl.«

Plötzlich endete der vergnügliche Stadtbummel an einem echten Tatort, »als es 20 Meter neben uns krachte«. Man habe natürlich sofort an Terror gedacht und Parallelen zum Geschehen am Berliner Breitscheidplatz gesehen, sagt Scheiwe. Aber solche Gedanken würden sofort verdrängt, denn es gehe ja darum, Menschen zu helfen. Die Paderborner Seelsorger hätten daher nicht lange gezögert und sofort Erste Hilfe geleistet.

Weil am Samstag in Münsters Innenstadt auch eine De­monstration für Frieden im nordsyrischen Afrin angemeldet war, seien viele Einsatzkräfte der Polizei ohnehin in der Stadt gewesen, sagt Scheiwe, der den ersten Einsatzwagen am Tatort bereits nach einer Minute registrierte. »Kurze Zeit später war auch schon der erste Rettungswagen da«, lobt der aus Olpe stammende Theologe die Schnelligkeit der Einsatzkräfte.

Er und seine Kollegen hätten sich dann um Leicht- oder Unverletzte, Augenzeugen und Angehörige gekümmert, erzählt Scheiwe. Die Vorgehensweise sei individuell ganz unterschiedlich. »Jeder reagiert anders auf so ein Ereignis – manche bekommen Panik, andere verfallen in Schockstarre, wieder andere werden aggressiv.«
Und wie geht er selbst mit dem Erlebten um? »Es gibt auch für uns Beratungsangebote. Ein kranker Seelsorger nützt ja schließlich niemandem.«
Am nächsten Morgen begann dann der zweite Einsatz. Die Notfallseelsorge unterstützte die Feuerwehr bei der Evakuierung der Südstadt nachdem dort eine Luftmine gefunden worden war.

Quelle: Westfälisches Volksblatt