Erster Schrei im Rettungswagen. Blitzgeburt: Notfallsanitäter helfen Finya auf die Welt.

  • Paderborn

 

Paderborn: Statistisch gesehen entbindet jeder Notfallsanitäter einmal in seinem Berufsleben ein Kind. Zwei Paderborner können darüber nur müde lächeln: Björn Beil und Stefan Pohl kommen zusammen auf insgesamt sieben Babys. Am Dienstag haben sie der süßen Finya auf die Welt geholfen – im Rettungswagen.

Petra Scholz (39) aus Schloß Neuhaus ist überglücklich, als sie gestern Björn Beil und Stefan Pohl – einen Tag nach der Entbindung – im St. Johannisstift wieder sieht. Herzlich nimmt sie die beiden ausgebildeten Sanitäter in den Arm. Die beiden Männer waren die einzigen, die bei der Geburt von Finya mit dabei waren. »Das war ein freudiges Ereignis«, meint Björn Beil und freut sich mit der Mutter. Allen geht es prächtig.

Als Petra Scholz gestern morgen um 7.39 Uhr wegen Bauchschmerzen erst ihren Mann Sebastian auf der Arbeit und dann den Rettungsdienst alarmiert, haben die beiden Sanitäter gerade ihren Dienst angetreten. »Als wir vor Ort eintrafen, wartete die Hochschwangere bereits vor der Haustür auf uns«, berichtet Beil.
Im RTW werden dann die Vitalzeichen des Kindes kontrolliert. Nichts deutet zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass die Geburt unmittelbar bevor steht. »Wir sind ganz normal losgefahren«, sagt Beil, der sich hinten im Wagen um die Patientin kümmert. Und auch Fahrer Stefan Pohl glaubt zunächst daran, dass es ein Routine-Einsatz ist. Als er aber den Rettungswagen in die Neuhäuser Straße lenkt, kommt eine heftige Wehe. »Da wusste ich, dass es nicht mehr lange dauert«, erinnert sich Petra Scholz. Stefan Pohl schaltet sofort Blaulicht und Martinshorn ein und drückt auf die Tube. »Das machen wir nur im größten Notfall, weil das zusätzlichen Stress für die Mütter bedeutet«, erläutert Pohl.

Kaum ist der Rettungswagen um 8.02 Uhr in der Wagenhalle des St. Johannisstifts angekommen, ist Finya auch schon da und liegt auf der Trage. Sofort wickelt Stefan Beil das muntere Baby in Decken und legt es der Mutter auf den Bauch. Rekord! »So schnell ist es noch nie gegangen«, sagt Mutter Petra, die bereits Erfahrung mit dem Gebähren hat: Sie ist jetzt fünffache Mutter.
Finya hat die Blitzgeburt hervorragend überstanden: Sie ist 50 Zentimeter groß, 3190 Gramm schwer, ist topfit und fühlt sich wohl in Mamas Armen.
Etwas enttäuscht sei Papa Sebastian anfangs gewesen: Er kam zu spät und konnte bei der Geburt nicht dabei sein. Umso mehr freut er sich, dass die beiden Sanitäter zur Stelle waren. Über die sozialen Medien hatte er nach den Sanitätern gesucht, um sich bei ihnen bedanken zu können. Seitdem stehen bei den beiden Helden die Telefone nicht mehr still. »Das war einer der schönsten Einsätze«, sagen beide Helfer.

Die letzte Geburt im Einsatz hatte Björn Beil vor etwa zwei Jahren, als er einer Frau half ihr Kind im Auto auf dem Beifahrersitz zu gebähren. Die anderen Geburten wurden auch schon im heimischen Wohnzimmer oder eben im Krankenwagen vollzogen.
»Für uns ist das schon nichts ungewöhnliches mehr«, meinen die beiden. Nach Angaben der Leitstelle passiert so etwas einmal pro Jahr.

Bericht: Westfälisches Volksblatt