Evakuierung nach Bombenfund. Fünf-Zentner-Blindgänger bei der »KatHo« an der Leostraße. Ein Bombenfund in der Paderborner Innenstadt hat am Donnerstag die größte Evakuierungsaktion der vergangenen Jahrzehnte ausgelöst. Im Laufe des Abends mussten mehrere hundert Anwohner zwischen Husener Straße und Kilianstraße ihre Häuser verlassen, damit die Fliegerbombe auf dem Gelände der Fachhochschule an der Leostraße entschärft werden konnte.

  • Paderborn

 

Paderborn: Betroffen waren insbesondere 30 Bewohner des Liborius-Altenheimes und etwa 60 Bewohner der angrenzenden LWL-Einrichtungen. Mehr als 200 Kräfte von Feuerwehr, Polizei und Ordnungsamt waren über Stunden im Einsatz, um das Gebiet großflächig zu evakuieren. Gehbehinderte Heimbewohner wurden mit dem Rollstuhl in benachbarte Altenpflegeeinrichtungen gebracht. Bettlägerige Patienten wurden mit Rettungswagen und Krankenwagen in Krankenhäuser und andere Altenheime gefahren.

Um 21.30 Uhr war das Gebiet großflächig geräumt, so dass gegen 22 Uhr mit der Entschärfung der Bombe begonnen werden konnte. Drei bettlägerige Menschen wurden im Altenheim in geschütztere Bereiche verlegt. Eine 31-köpfige Wohngruppe aus der LWL-Tagesklinik wurde in der Hauptstelle untergebracht.

Die mehr als 200 Rettungskräfte begannen um kurz nach 20 Uhr mit der Evakuierung. Mehrere hundert Menschen mussten in einem Radius von 250 Metern um den Bombenfund ihre Häuser verlassen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die mit Handzetteln die Anwohner über den Bombenfund und die geplante Entschärfung informiert hatten, gingen später von Haus zu Haus, um zu sehen, ob auch alle ihre Wohnungen verlassen hatten. Über Lautsprecheransagen wurden die Menschen gebeten, den Anweisungen zu folgen. In einem weiteren Umkreis wurden die Menschen aufgefordert, nicht nach draußen zu gehen, die Fenster zu schließen und die Rollläden herunter zu lassen.

Nach Angaben des Paderborner Feuerwehrchefs Ralf Schmitz hat es sich um die »größte Evakuierungsmaßnahme in Paderborn« gehandelt, die er als Feuerwehrchef bisher miterlebt hat.

Um 15 Uhr stieß ein Baggerfahrer beim Ausschachten in einer Tiefe von 80 Zentimetern neben dem Hörsaalneubau auf die Bombe. Er alarmierte den Bauleiter, der daraufhin Polizei und die Mitarbeiter in dem angrenzenden Haus der Fachhochschule über den gefährlichen Fund informierte. Prof. Dr. Gerhard Kilz und Andreas Schubert vom Studentensekretariat der Fachhochschule gingen daraufhin alle 100 Räume in dem fünfstöckigen Haus ab, um alle anwesenden Studenten und Mitarbeiter zum sofortigen Verlassen des Gebäudes aufzufordern. Auch alle Gänge in der Bibliothek, die Kellerräume und die Toiletten wurden sorgfältig durchsucht. Anschließend wurde jeder einzelne Raum abgeschlossen und dann auch der Eingang des Komplexes.

Etwa 30 Mitarbeiter und Studenten waren im dem Gebäude. Glücklicherweise, so die beiden Helfer, seien Semesterferien. Normalerweise halten sich im Lehrbetrieb bis zu 900 Studierende hier auf. »In einer halben Stunde waren wir durch«, sagten die beiden, die anschließend sicherheitshalber bis in den Abend hinein auf dem Gelände ankommende Studenten informierten. Kurz nach Eintreffen des Kampfmittelräumdienstes aus Detmold und der Polizei wurde auch der Bereich des angrenzenden Priesterseminars geräumt.

Bittere Ironie der Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg: Bereits bei den Ausschachtungsarbeiten für das neue Vier-Millionen-Euro teure Gebäude war man vor einem dreiviertel Jahr auf Metallstücke gestoßen, die verdächtig nach Bombenresten aussahen. Schon damals untersuchte der Kampfmittelräumdienst das Areal. Ausgeschachtet worden war bis zu einer Tiefe von drei Metern. Nur einen Meter neben dem heutigen neuen Kellerbereich stieß man jetzt auf die Fliegerbombe.
Das Hauptgebäude der Fachhochschule wurde im Jahr 1930 gebaut und diente während des Krieges als Lazarett. Es wurde durch die Bombenangriffe nicht zerstört, so blieben die tödlichen Hinterlassenschaften im Boden.

Bericht: Westfälisches Volksblatt

 


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Volker Lenz (links) und Horst Schöwe vom Kampfmittelbeseitigungsdienst haben die Fliegerbombe entschärft.

 

Westfälisches Volksblatt 18. August


Fliegerbombe an KatHo entschärft

Paderborn (WB). Auf dem Gelände der Katholischen Fachhochschule (KatHo) in Paderborn ist bei Bauarbeiten eine 250-Kilogramm-Bombe gefunden worden. Experten des Kampfmittelräumdienstes waren bis in die Nacht im Einsatz. Das Gebiet wurde evakuiert.
Kurz vor Mitternacht gab die Feuerwehr Paderborn Entwarnung. Die Bombe ist entschärft, alle können wieder in ihre Wohnungen.Schüler, Dozenten und Mitarbeiter der KatHo hatten das Gelände am Nachmittag verlassen müssen. Weil vorlesungsfreie Zeit ist, waren am Nachmittag nur wenige Studenten auf dem Fakultätsgelände.
Ein Bagger hatte die Bombe angekratzt. Dort wird ein Hörsaal mit Platz für bis zu 200 Studenten und zwei Seminare für jeweils 80 Personen gebaut.
Altenheim muss evakuiert werden
Insgesamt 91 Bewohner und Mitarbeiter des Liborius-Altenheimes und der LWL-Tagesklinik mussten bis zum Abend vorsorglich in Sicherheit gebracht werden. 13 Rollstuhlfahrer aus dem Altenheim wurden in eine benachbarte Einrichtung gebracht. Elf Bewohner kamen mit Rettungswagen und Krankentransporten in Paderborner Krankenhäuser.
Drei bettlägrige Menschen wurden im Altenheim in geschütztere Bereiche verlegt. Eine 31-köpfige Wohngruppe aus der LWL-Tagesklinik wurde in die Hauptstelle verlegt. Die mehr als 200 Rettungskräfte begannen um kurz nach 20 Uhr mit der Evakuierung.
Handzettel verteilt
Mehrere Hundert Menschen mussten in einem Radius von 250 Meter um den Bombenfund ihre Häuser verlassen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die mit Handzetteln die Anwohner über den Bombenfund und die geplante Entschärfung informiert hatten, gingen später von Haus zu Haus, um zu sehen, ob auch alle ihre Häuser und Wohnungen verlassen hatten.
Über Lautsprecheransagen wurden die Menschen gebeten, ihre Häuser zu verlassen. In einem weiteren Umkreis wurden die Menschen aufgefordert, nicht nach draußen zu gehen, die Fenster zu schließen und die Rollläden herunter zu lassen. Nach Angaben des Paderborner Feuerwehrchefs Ralf Schmitz hat es sich um die »größte Evakuierungsmaßnahmen in Paderborn«, die er als Feuerwehrchef bisher miterlebt hat.

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Radio Hochstift

Nach der Bombenentschärfung auf dem Gelände der Katholischen Hochschule in Paderborn ist in der Institution fast wieder Alltag eingekehrt. Die dortigen Bauarbeiten werden in den kommenden Tagen allerdings wohl nicht ganz nach Plan ablaufen können.Neben dem bestehenden Gebäude der Katholischen Hochschule entsteht aktuell unter anderem ein neuer Hörsaal. Genau bei diesen Arbeiten war gestern die 250 Kilo-Bombe gefunden worden. Schon vor einem halben Jahr stießen Bauarbeiter ganz in der Nähe auf Bombensplitter. Kommende Woche soll deshalb jetzt der Kampfmittelbeseitigungsdienst erneut anrücken. Die Experten sollen das Gelände dann mit Metalldetektoren auf mögliche, weitere Bomben untersuchen. Mindestens die Schachtarbeiten müssen bis dahin ruhen.
Der Bombenfund gestern sorgte für eine der größten Evakuierungsmaßnahmen in Paderborn seit Jahrzehnten.

Fotos: Marc Köppelmann, Westfälisches Volksblatt